Ultra-Running und gesundheitliche Probleme

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Das kann doch nicht gesund sein, soviel Rennerei …

So, oder so ähnlich hört sich immer mal wieder die Reaktion an, wenn Freunde oder Bekannte hören, was ich so mache. Für einige ist ein Marathon schon übertrieben, für andere sind Events über Ultra-Distanzen zumindest gesundheitlich fragwürdig, wenn nicht sogar grundweg schädlich. Und dann ein Wochenpensum, dass regelmässig 60, 70 Trainingskilometer übersteigt? Das muss doch zwangsläufig zu gesundheitlichen Problemen führen. Wer morgens gleich 10, 15 oder gar über 20 Kilometer rennt, kann doch nur noch kaputt und in der Leistungsfähigkeit eingeschränkt bei der Arbeit rumhängen.

Meine persönliche Erfahrung sieht da ganz anders aus. Ich fühle mich fitter, leistungsfähiger und nehme an, dass ich seltener Krank bin, als früher zu Zeiten ohne die intensiven sportlichen Belastungen. Aber stimmt das auch? Und wenn es für mich stimmt, ist diese Erfahrung übertragbar? Auf meiner Suche nach Antworten bin ich auf die ULTRA-Study gestossen.

Die ULTRA-Study

Veröffentlicht sind die Ergebnisse der ULTRA-Study in Health and Exercise-Related Medical Issues among 1,212 Ultramarathon Runners: Baseline Findings from the Ultrarunners Longitudinal TRAcking (ULTRA) Study, erschienen 2014 in PLoS One. Die Studie hatte das Ziel, die gesundheitlichen Konsequenzen zu bestimmen, die von den hohen Trainings- und Wettkampfbelastungen ausgehen, denen sich Ultramarathonläufer aussetzen. Über einen Zeitraum von 12 Monaten wurden unter anderem Arbeitsausfallzeiten durch Erkrankung oder Verletzung erfasst, sowie ausgefallene Trainingstage, die auf trainingsbedingte Verletzung zurückgeführt wurden, aufgezeichnet.

Erfreulich ist die hohe Zahl der auswertbaren Studienteilnehmer (1’212), von denen 94.7% tatsächlich einen Ultramarathon im massgeblichen Zeitraum absolviert haben. Der Median für das Alter lag bei 42 Jahren (18 – 81 Jahre) und der für die gelaufene Distanz bei 3.347 km (418 – 12’134 km) in 12 Monaten. Alle Zahlen und Vergleiche beziehen sich auf US-Amerikaner, ich denke aber, dass die zu Grunde liegende Aussage auch auf andere Populationen übertragbar ist.

Ultraläufer sind gesünder als der Durchschnitt

Tabelle 1 (Point prevalence of various medical conditions among 1,212 active ultramarathon runners and the proportion who were using relevant medications)

Der Ergebnis der Studie ist, dass Ultraläufer im Vergleich zur generellen Bevölkerung, weniger Krankentage zu verzeichnen haben. Die Übersicht der detaillierten Ergebnisse der Studie bezüglich Prevalenz einzelner gesundheitlicher Probleme ist in Tabelle 1 zusammengestellt.

Am häufigsten traten demnach Allergien und Heuschnupfen (25.1%) sowie belastungsindiziertes Asthma (13.0%) auf. Für schwerwiegende Erkrankungen wie Krebs (4.5%), koronare Herzerkrankungen (0.7%) und Diabetes (0.7%) war die Prevalenz gering. So kommt die Studie zu dem Schluss, dass alle typischen chronischen Erkrankungen in der breiten Masse der Bevölkerung häufiger auftreten als bei Ultraläufern. Mit einer Ausnahme: Allergien und Heuschnupfen, was aber nicht sonderlich überraschend ist, da dieses Phänomen schon bei anderen Langstreckenläufern beobachtet wurde.

Ultraläufer verursachen weniger Krankheitstage

Ultraläufer sind im Durchschnitt 2.2 Tage pro Jahr krankheits- oder unfallbedingt arbeitsunfähig. Der Rest der Bevölkerung fehlt 3.7 Tage im gleichen Zeitraum. Weiter sind Ultraläufer nur einen Tag pro Jahr krankheitsbedingt- oder verletzungsbedingt – bettlegerisch, während der Rest der Bevölkerung 4.7 Tage das Bett hüten musste.

Mit diesen Voraussetzungen ist es wenig verwunderlich, dass Ultraläufer auch seltener ärztliche Hilfe aufsuchen und damit das Gesundheitssystem deutlich weniger beanspruchen als die breite Masse. Diese Aussage behält auch dann noch ihre Richtigkeit, wenn man berücksichtigt, dass immerhin 933 Personen (77.0%) trainingsbedingte Verletzungen im Studienzeitraum erlitten. Diese Verletzungen sind in den allermeisten Fällen nicht besonders schlimm und führten lediglich zu 0.3 von den oben erwähnten 2.2 Krankentagen.

Ultraläufer haben ähnliche Krankheitsmuster wie andere Läufer

Verglichen mit der breiten Masse haben Ultraläufer eine robustere Gesundheit, haben dadurch weniger Krankentage und belasten das Gesundheitssystem weniger. Auch im Vergleich mit anderen Läufern fallen Ultraläufer nicht durch mehr oder schwerwiegendere Krankheiten, bzw. Verletzungen auf. Lediglich der Anteil von Stressfrakturen am Fuss ist etwas erhöht.

Mein Fazit

Die hier zitierte Studie untermauert meine persönlichen Erfahrungen. Ultraläufer sind seltener krank oder verletzt und verursachen dadurch eine geringere Anzahl Fehltage bei der Arbeit und belasten das Gesundheitssystem weniger als der Rest der Bevölkerung. Trotzdem birgt auch diese Leidenschaft das Potential um Leiden zu schaffen. Erkrankungen der Atemwege (z. B. Asthma), der verstauchte Knöchel hier und da und die latente Gefahr von Stressfrakturen sind Risiken, die wir in Kauf nehmen.

Andererseits, was sind die Alternativen?

 

 

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