Transruinaulta Trailmarathon / Transviamala Run & Walk 2016

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Transruinaulta & Transviamala – Ein Wochenende, zwei Läufe, 61 km Trail

Finisher Urkunde Transruinaulta & Transviamala
Finisher Urkunde Transruinaulta & Transviamala

Am Wochenende vom 22./23. Oktober 2016 sind meine Frau und ich sowie hundert andere Trailbegeisterte nach Graubünden gepilgert, genauer nach Ilanz und Thusis, je nachdem, wo man startet. Für die Freunde längerer Trailläufe haben die Veranstalter Transruinaulta (42 km, 1‘800 Höhenmeter, Start in Ilanz), für Freunde kürzerer Strecken Transviamala (19 km, 950 Höhenmeter, Start in Thusis) organisiert. Und wer gar nicht genug vom Trailrunning bekommt macht einfach gleich beide Läufe mit. So wie ich.

In der Königsdisziplin und Etappenwertung über beide Läufe konnte ich mir mit 7:26 Platz 74 von 129 in der Gesamtwertung sichern.

Bereits Wochen vor dem Start posteten die Veranstalter kurze Beiträge auf Facebook und zeigten in lustigen Filmchen, dass sie für ihre Teilnehmer alles unternehmen, um den Lauf zu einem schönen Erlebnis zu machen. Tatsächlich ist es so, dass beide Läufe hervorragend organisiert sind. Rahmenprogramm, Streckenkennzeichnung, Verpflegungsposten in Anzahl und Angebot, Zieleinlauf und Finishergeschenke, hier hat einfach alles gestimmt. Ein grosses Lob an das Organisationskomitee und ein mindestens ebenso grosses Lob an die Helfer, die mich mit viel Biberli durch den zweiten Tag gefüttert haben. 😉

 

Samstag – Transruinaulta, Start in Ilanz

Am Morgen vor dem Start zeigt sich Ilanz frostig. Ich treffe zwei Bekannte am Start und gemeinsam frieren wir dem Start entgegen. Aber die Wettervorhersage für den Tag ist gut: sonnig und kühl. Bedingungen, wie ich sie für lange Strecken mag.

Startaufstellung 2016: Marc, Stephan, Tom
Startaufstellung 2016: Marc, Stephan, Tom

Für mich persönlich ein Novum, starten die Läufer beim Transruinaulta in Intervallen, werden also mit 5 – 10 Sekunden Abstand, einzeln oder als Paare auf die Strecke geschickt. Bereits hier macht sich eine einzigartige Atmosphäre breit, wenn die Läufer von einem grandiosen Sprecher angekündigt und namentlich auf die Strecke geschickt werden. Das erste Stück geht es auf Asphalt durch die Stadt, bevor die Läufer auf den Rhein treffen und dann stromaufwärts dem Vorderrhein folgen.

Intervallstart in Ilanz
Intervallstart in Ilanz
Rheinfelsen zwischenI Ilanz und Versam
Rheinfelsen zwischenI Ilanz und Versam
Auf der Strecke zwischen Ilanz und Versam
Auf der Strecke zwischen Ilanz und Versam**

Dem Streckenprofil kann man entnehmen, dass es bis etwa Kilometer 12 leicht bergab geht und entsprechend geben hier die ersten auch schon Gas. Mein Ziel ist es unter 5 Stunden zu blieben, dafür reicht mir hier an dieser Passage ein Schnitt von 10 – 11 km/h oder 6:00 – 5:30 min/km. Ich lasse es locker angehen. Das gibt mir die Gelegenheit die imposanten Felsformationen zu bestaunen, die das Wasser hier über Jahrmillionen geformt hat. Und etwa mit Kilometer 12 geht der Lauf dann richtig los, die erste richtige Steigung staucht das Läuferfeld zusammen und entfaltet seine selektierende Wirkung. Am Ende dieses Anstiegs befindet sich in Versam bei Kilometer 15 der zweite Verpflegungsposten, der von den allermeisten Läufern auch gerne genutzt wird. Je nach eigenem Gusto kann man sich hier an typischen Riegeln und Gels oder aber auch an Früchten, Biberli, Käse und Mostbröckli laben.

Transruinaulta Streckenprofil
Transruinaulta Streckenprofil*

Auf den folgenden 9 Kilometern geht es zwar netto bergab nach Rhäzüns, um dort hinzugelangen überhöht die Strecke aber deutlich. Ein schönes Stück Steigung, genauso wie ich es mag und noch halbwegs locker laufen kann. Hier treffe ich einige bekannte Gesichter wieder, denen die Steigung offensichtlich weniger gelegen kommt als mir. Daher setze ich mich nach einem kurzen Schwatz ab und mache mich auf zum dritten Verpflegungsstopp. Der nun folgende Anstieg ist mit etwas mehr als 5 Kilometern der längste beim Transruinaulta und fordert entsprechend seinen Tribut und beim vierten Verpflegungsposten in Tschuncauns/Präz komme ich nur noch gehend an. Hier muss ich erstmal durchatmen und auftanken aber, so meine Theorie, wer es bis hierher schafft, hat Transruinaulta geschafft. Von hier aus geht es jetzt etwa 7 km bergab in Richtung Thusis, gefolgt von den letzten 6 km in der Ebene zum Ziel. Halt, da war noch was, im Streckenbeschrieb machen die Veranstalter ausdrücklich auf die drei letzten, steilen Anstiege aufmerksam. Und die haben es wahrlich in sich. Ich kann nur jedem raten, diesen Hinweis ernst zu nehmen. Besonders der letzte Anstieg, 1 km  vorm Ziel ist eine echte Wand. Kurz und knackig sollte man mental darauf vorbereitet sein so unmittelbar vorm Ziel noch einmal richtig getestet zu werden.

 

Samstag – Transruinaulta, Ziel in Thusis

Zieleinlauf in Thusis
Zieleinlauf in Thusis

Das Ziel ist bereits in Hörweite, sobald man den letzten Anstieg hinter sich gelassen hat. Den Umständen entsprechend laufe ich entsprechend zügig zur Party in Thusis. Mit 4:50 erlaufe ich mir den 62. Platz in meiner Kategorie (von 174) bzw. Platz 130 Overall von 343. Ziel geschafft und damit geht es für mich freudig zum Finisherbier. Aber halt nur ein Bier, denn, frei nach Wilhelm Busch: Dieses war der erste Streich …

 

Sonntag – Transviamala, Start in Thusis

Transviamala Streckenübersicht
Transviamala Streckenübersicht*

Am Sonntag gehe ich mit zugegebenermassen etwas steifen Beinen gemeinsam mit meiner Frau auf die Strecke. Zusammen wollen wir die 19 km lange Strecke des Transviamalalaufs absolvieren.

In der vom Vortag gewohnten Routine unterhält der Sprecher die Läufer im Startbereich. Der Start ist hier als Blockstart organisiert, um die 1‘000 Starter der ausverkauften Veranstaltung geordnet auf die Strecke zu bringen. Wir reihen uns weiter hinten ein, denn besondere Zielzeiten erwarten wir heute von uns nicht. Um 10:00 Uhr ertönt das Startsignal und zusammen mit dem Startblock I setzen wir uns in Bewegung in Richtung „Verlorenes Loch“, einem Tunnel durch den die „alte Strasse“  Richtung Viamala-Schlucht führt. Diese ersten Kilometer laufen wir stetig bergan, bis wir bei Kilometer 4 auf den ersten Verpflegungsposten treffen. Hier essen wir Biberli (vor allem ich, als grosser Lebkuchen- und Marzipanfan) und trinken etwas um uns auf den bevorstehenden Anstieg mit über 500 Steinstufen bereit zu machen. Dieser Anstieg ist gehend gut zu bewältigen, aber ich glaube, bereits hier werden wir von den ersten Läufern aus dem zweiten Startblock eingeholt. Egal, ich brauchte meine Biberlipause. Nach dem stufenreichen Aufstieg kommen wir in Reischen zur zweiten Verpflegungsstation, wo wir gerne ein paar Minuten verschnaufen und einen weiteren Kalorienausgleich schaffen.

Judith und ich nach dem "Verlorenen Loch"
Judith und ich nach dem „Verlorenen Loch“ **
Transviamala Streckenprofil
Transviamala Streckenprofil*

Die folgenden Kilometer bis zum Verpflegungsposten Nr. 3 sind ein trailiges auf und ab und auch diese 4 Kilometer sind bald geschafft. Bis nach Andeer schliessen wir uns einer kleinen Gruppe an, mit denen wir uns über die Gegend unterhalten uns so geht auch dieses Stück schnell vorbei. Am Verpflegungsposten Nr. 4 trennen sich dann allerdings unsere Wege, weil Judith und ich wieder sehr ausgiebig das Angebot an Bananen, Lebkuchen & Co. nutzen, schliesslich ist die Transviamala ein Genusslauf.

Sonntag – Transviamala, Ziel in Thusis

Diese Stärkung ist auch ganz wichtig, denn nun geht es über mehrere Serpentinen nochmal steil bergauf, bevor das Ziel in Donat in Reichweite kommt. Dort herrscht Volksfeststimmung und im Ziel erhalte ich meine Finisherkrone, das Souvenir für die Finisher, die an einem Wochenende sowohl die Transruinaulta als auch die Transviamala absolviert haben.

Fast geschafft (letzte Kurve 500 m vorm Ziel in Donat)
Fast geschafft (letzte Kurve 500 m vorm Ziel in Donat) **

Mit 2:37 haben Judith und ich uns gut Zeit gelassen, dass spiegeln auch unsere Platzierungen wider: Judith hat Platz 104 von 116 in ihrer Alterskategorie, bzw. 218 von 245 Overall erreicht. In meiner Alterskategorie habe ich Platz 241 von 252 bzw. 451 von 475 Overall.

Die "Finisherkrone"
Die „Finisherkrone“

Der schönste Lauf der Schweiz

Der Transviamala Run & Walk ist bereits sechsmal zum schönsten Lauf der Schweiz gekürt worden. Das kann ich gut nachvollziehen, besonders auf der ersten Hälfte, wo es durch die vom Rhein gefräste Landschaft geht. Aber auch der Transruinaulta Trailmarathon hat mir sehr gut gefallen und ich kann nur jedem Trailläufer wünschen einmal im Herbst ein Wochenende auf diesen beiden Strecken zu verbringen.

Ich hoffe, dass ich in den kommenden Jahren nochmal die Gelegenheit haben werde beide Trailläufe unter die Füsse zu nehmen. Auch, wenn das das bittere Ende unzähliger Biberlis zur Folge haben wird.

 

* Karten und Streckenprofile von der Website des Veranstalters http://www.transviamala.ch/de/

** Bilder von Alphafoto, erworben am 26.10.2016

2 Antworten

  1. Bianca Lang

    Sehr toller Bericht und die Fotos sind ja auch sehr schön. Judith und Du gebt ein tolles Laufpaar ab.
    Ich hoffe wir Treffen uns mal wieder.Vielleicht auf ein Biberli ?

    Liebe Grüsse Bianca &Stephan

    • Tom Lellau

      Danke. Das klappt bestimmt … auch ohne Biberli, dafür vielleicht mit nem Bierli

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