The Crux – Mein erster Ultra in 2017

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56 km – 2’500 Höhenmeter – 07:50 Laufen

The Crux - Die Strecke
The Crux – Die Strecke

Wie ich in meiner Trainingsplanung geschrieben habe, sollte The Crux mein erstes Ultra-Highlight für 2017 und damit eine Standortbestimmung werden – Wie komme ich über die Distanz und wie packe ich die Höhenmeter? Mit 07:50 kann ich nun sagen, es klappt ganz passabel und mein Trainingsplan hat mich auch auf dieses Event ganz ordentlich vorbereitet.

The Crux ist kein echter Wettkampf sondern ein Treffen von Läufern, die mehr oder weniger gemeinsam die Strecke von Kollbrunn bei Winterthur bis nach Schmerikon am äussersten Zipfel des Zürichsees bewältigen wollen. Es gibt keine Organisation, die über den gemeinsamen Start und den Transport von Gepäck zum Zielort hinausgeht. Nicht die übliche Markierung, keine Verpflegungsposten, keine Helfer auf dem Weg. Die komplette Strecke wird in absoluter Autonomie zurückgelegt. Das bedeutet auch, dass ein Fehler in der Planung sich womöglich schmerzlich auf der Strecke bemerkbar machen wird.

56 km Laufevent in Autonomie – Die Vorbereitung

Im Vorfeld des Laufs habe ich mir überlegt, wieviel Kalorien ich wohl dafür verbrauchen werde. Ich bin auf 4’500 – 5’000 kcal gekommen. Um diesen Verbrauch auszugleichen, habe ich einen Mix aus Gels, Riegeln und salzigen Nüssen mit auf den Weg genommen. Zusätzlich benötige ich ausreichend Wasser. Also hatte ich eine 1.5 l Trinkblase hinten im Laufrucksack und vorn 2 x 0.5 l Trinkflaschen dabei – und eine gehörige Portion Vertrauen darauf, unterwegs irgendwo nachfüllen zu können, da mir diese Menge Wasser bestenfalls 5 Stunden reichen würde.

Die Wettervorhersage hat passables Laufwetter versprochen. Von ca. 2°C am Morgen bis 14°C bei Föhnwetterlage am Nachmittag, sollte es leicht bewölkt bis sonnig werden. Am späteren Nachmittag bzw. am Abend drohte allerdings Regen. Entsprechend musste halt auch einiges an Kleidung mit, um für alle Eventualitäten gerüstete zu sein. Mit anderen Worten, mein Laufrucksack war so voll wie noch nie.

The Crux - Das Höhenprofil
The Crux – Das Höhenprofil

Einen Fehler habe ich hier gleich zu Anfang gemacht: Ich hab mich gegen Laufstöcke entscheiden. Das Höhenprofil ist zwar anspruchsvoll, aber entspricht eigentlich einem Trailmarathon mit etwas mehr als 2’000 Meter Anstieg und ist damit vergleichbar mit anderen Läufen, die ich auch schon ohne Stöcke gemacht hab. Dachte ich. Nicht auf dem Zettel hatte ich die Tatsache, dass es an einigen Anstiegen zwischen Kilometer 30 und 45 noch Schnee hat. Dazu später mehr.

Der Start

Start am Bahnhof Kollbrunn
Start am Bahnhof Kollbrunn

Am Vorabend bin ich nach Kollbrunn angereist und habe in der Nähe des Bahnhofs übernachtet. Am Bahnhof ist der Treffpunkt für die Abgabe des Gepäcks und den Start. Alles klappt wie geplant und ich bin ausgeschlafen und pünktlich vor Ort, bezahle meine 10 CHF Organisationsbeitrag, gebe meinen Rucksack ab und höre mir das Briefing an. Laut Organisator sind wir über 70 Laufbegeisterte (Rekord), die bei frühlingshaften Temperaturen gegen 08:45 starten.

Der Gepäcktransport
Der Gepäcktransport

Der Organisator schickt uns mit den Worten „Und ab jetzt kenn ich Euch nicht mehr, Ihr seid da draussen auf Euch alleingestellt“ auf die Strecke und ergänzt noch „… aber Ihr seid ja alle erfahrene Adventure-Runner“. Ok, wusste ich noch nicht – irgendwie wird mir mulmig – hab ich alles? Weiss ich tatsächlich, was ich da mache? Aber diesen Gedanken kann ich nicht lange nachhängen, schliesslich rennt die Meute los und ich mittendrin.

Aus der Ortschaft windet sich die Strecke gleich mit einigen Steigungen in die Höhen oberhalb von Kollbrunn und ich schliesse mich einer Gruppe von fünf Läufern an, die mit einem ordentlichen Tempo davon sausen.

Kollbrunn bis Hörnli – Die ersten 30 Kilometer

Die ersten Kilometer nach dem Start bleibe ich schön bei meiner kleinen Gruppe und wir machen ordentlich Tempo, was mir bei dem ersten Anstieg (bis ca. Kilometer 10) auch sehr entgegenkommt. Der folgende Abstieg offenbart aber meine mir bekannte Schwäche: Ich bin bei Bergabpassagen deutlich schwächer als andere Läufer und ich muss schon etwas beissen, um hier nicht den Anschluss zu verlieren. Aber was solls, der nächste Anstieg kommt bestimmt.

In kleiner Gruppe auf einsamen Trails
In kleiner Gruppe auf schönen Trails

Bei Kilometer 13 ist es dann soweit und ich kann wieder aufschliessen. Allerdings wird es jetzt so steil, dass sich das Tempo stark reduziert und wir gehen die kommenden 2 Kilometer.

Bis etwa Kilometer 25 kann ich noch einigermassen gut mithalten. Bei dem Tempo (9 km/h oder ca: 6.5 min/km) sollten wir weniger als 6 Stunden und 30 Minuten für die ganze Strecke benötigen. Der Blick auf meinen Durchschnittspuls bestätigt die Meinung meiner Beine zu diesem Vorhaben: Unmöglich. Zu diesem Zeitpunkt bin ich etwa 02:50 unterwegs und renne mit einem Pulsschnitt von 156 S/min. Ich muss das Tempo reduzieren, wenn ich die Strecke in Schmerikon beenden möchte. Also lasse ich mich zurückfallen und verliere über die nächsten Kilometer meine Gruppe aus den Augen.

Trail über den Grad
Einsamer Trail über den Grad

Hörnli bis Tweralpspitz – Marathondistanz geschafft

Auf den folgenden 12 Kilometern treffe ich mehrere Läufer, die ich teilweise ziehen lassen muss, oder denen es ähnlich geht wie mir, nur dass sie es später begriffen hatten. So oder so, beide Typen von Läufern verliere ich wieder aus den Augen und so kommt es, dass ich irgendwann auf einem der höchsten Punkte der Tour (Chrüzegg) ankomme und eine einsame aber sehr verlockende Holzbank erblicke. Da die Aussicht auf die Berge phantastisch ist, ebenso, wie die Aussicht auf fünf Minuten sitzen, beschliesse ich hier kurz Rast zu machen.

Mein Bank auf dem Chrüzegg
„Meine“ Bank auf dem Chrüzegg
Anstieg mit Schnee
Anstieg mit Schnee

Die nachfolgend eintreffenden Läufer teilen meine Auffassung von der Aussicht. Allen voran Karel, mit dem ich mich eine Weile recht angeregt unterhalte. Von da an sind wir zu viert unterwegs und können uns gegenseitig motivieren. Das ist auf den nächsten 2 – 3 Kilometern auch dringend nötig. Die Steigungen bis jetzt haben schon einiges an Kraft gekostet, da es in dem matschigen Schnee schon recht schwer ist sicheren Tritt zu finden. Genau das haben wir jetzt nach einer kurzen Senke mit dem Anstieg zur Tweralpspitze erneut vor uns. Um es mit den Worten eines meiner Begleiter zu sagen: „So ne Scheisse, noch mehr Schnee“. Recht hat er – auf der einen Seite – es hat uns aber auch niemand gezwungen – also Backen zusammengepresst und hoch da.

 

Nach 5 Stunden und 50 Minuten und fast 42 Kilometern erreichen wir den höchsten Punkt der Tour.

Auf zum Zürichsee – Schmerikon wir kommen

Kurz vor dem "Motivationsverlust"
Kurz vor dem „Motivationsverlust“

Von hier an geht es jetzt hinunter zum Zürichsee, zu unserem Zielpunkt, dem Bahnhof in Schmerikon. Hinunter ist so eine Sache. Erstens hat es doch immer mal wieder kurze Anstiege, die uns zum gehen zwingen, zweitens schreddern die zum Teil steilen Abstiege die Oberschenkel durch die exzentrische Muskelarbeit, die hier für einige längere Passagen geleistet werden muss. Das wird Muskelkater geben, soviel steht fest.

Bei etwa Kilometer 47 wechslt der Untergrund von Trail zu Asphalt. Noch 9 Kilometer, aber die ziehen sich. Der See ist in Sichtweite, aber immer wieder müssen wir halten und uns orientieren, um den richtigen Weg zu finden. Jetzt bloss nicht noch verlaufen und ich bin froh, nicht auf mich alleine gestellt zu sein. Als Team finden wir den Weg (ich behaupte nicht, dass es der richtige war) und der Bahnhof von Schmerikon kommt in Sicht. Im gestreckten Galopp bringen wir die letzten Meter hinter uns und klatschen vor dem Restaurant Seehof ab. Dort ist unser Gepäck deponiert und dort inhaliere ich einen Liter Apfelsaftschorle.

Die letzten Kilometer (Blick zurück)
Die letzten Kilometer (Blick zurück)
Die letzten Kilometer (Blick zum Ziel)
Die letzten Kilometer (Blick nach vorn)

 

Gelungener Start in die Ultra-Saison 2017

Mein Fazit zu diesem Adventure-Run: Coole Strecke, tolle Leute, interessante Erfahrung. Alles in allem bin ich sehr mit meiner Leistung zufrieden. Es war mein erster Lauf über solch eine lange Strecke in völliger Autonomie.

Entsprechend kann ich auch behaupten wieder einiges gelernt zu haben:

  1. Nimm die Stöcke mit! Die wären eine super Hilfe gewesen im Schnee an den Steigungen, aber auch bei den Bergabpassagen.
  2. Halt Dich auf den ersten Kilometern zurück! OK, dass sollte ich eigentlich schon gelernt haben, aber offensichtlich muss ich das noch besser verinnerlichen.
  3. Setz Dich auf solchen Touren vorher sehr intensiv mit der Streckenführung auseinander! Das hilft im Verlauf bei der Orientierung.

Vielleicht kann ich mir das ja bis zum nächsten Mal merken …

 

4 Antworten

  1. Bracko

    Lieber Freund das wahr aber recht gut geschrieben fast schon fürs größere Trailrunning Gemeinde.
    Dankt dier für eine echt tolle Zeit.
    Höfe das wir noch ein par laufe zusammen machen. Alles Gute für das 2017 Trail.

    • Tom

      War ein toller Lauf in der Gruppe und die Motivation war echt hilfreich. Ich hoffe, wir treffen uns bald bei einem weiteren Event.
      Bleib gesund und behalte den Spass beim laufen ?

  2. Hans Döppenschmidt

    Hallo Tom
    herzlichen Glückwunsch zu deinem gelungenen Auftakt in 2017 und der exzellenten Präsentation.

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