Schwarzach Trail Salzburgerland

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Jubiläum in Schwarzach

2018 ist für die Veranstalter um Fredl Zitzenbacher des Schwarzacher Lauffests ein Jubiläumsjahr. Zum 20. Mal findet es statt und somit ist auch für den Schwarzach Trail Salzburgerland 2018 ein besonderes Jahr. Die Jubiläumsrunde führt über 84 km und 6 Gipfel, wenn man denn möchte.

Ich freu mich besonders dabei sein zu dürfen, da ich die Anmeldung für 2017 verpasst hatte und auch 2108 die auf 300 limitierte Anzahl Startplätze schnell vergeben waren.

Racebriefing am Vorabend

Nach der Startnummernausgabe
Nach der Startnummernausgabe

Am Vorabend des Laufs erfolgt die Startnummernausgabe und es gibt das obligatorische Racebriefing.

Ich möchte gern die als K84 ausgeschriebene Jubiläumsrunde laufen und mein Plan sieht vor, dass ich dafür etwa 13 Stunden benötigen sollte. Der Startschuss fällt um 05:00. Für mich bedeutet das, dass ich kurz vor 12:00 am Mittag die erste Runde (K47) absolviert haben und gegen 18:00 im Ziel sein sollte. Beim Briefing informiert Fredl, dass jeder selbst entscheiden kann, ob er beim Durchgang in Schwarzach nach 47 km den Lauf beendet und als K47 Finischer gewertet wird, oder lieber auf die zweite Runde geht und sich den zusätzlichen Kilometern und Höhenmetern stellen möchte.

An die lange Runde sind nur drei Bedingungen geknüpft. Der Durchgang in Schwarzach muss vor 13:00 erfolgen, wer die letzte Labestation (bei ca. Kilometer 70) nach 18:00 passiert, muss eine Lampe dabei haben und diese letzte Labestation muss spätestens um 19:00 passiert werden. Alles kein Problem für mich, solang es nach Plan läuft. An anderer Stelle habe ich mal geschrieben: Ultra ist, wenn’s lang wird. Dazu möchte ich ergänzen: Ultra ist, wenn’s nicht nach Plan läuft.

Ebenfalls am Vorabend treffe ich auf einen Facebookbekannten und Läuferkollegen. Stefan läuft regelmässig 100er und noch längere Touren und ich freue mich über den Austausch mit ihm.

Startschuss nach einer gewittrigen Nacht

Kurz vor dem Start auf regennasser Strasse
Kurz vor dem Start auf regennasser Strasse

Die Nacht vor dem Start regnet es in Strömen. Zum Glück hört der Regen aber rechtzeitig auf und wir können die Regenjacken im Rucksack lassen. Punkt 05:00 setzt sich die Gruppe aus etwa 300 Personen in Schwarzach in Richtung Goldegg in Bewegung. Bald verlassen wir die Strasse und auf schmaler werdenden Feldwegen geht es in den Wald und langsam aber stetig in die Höhe. Die Wolken hängen tief und auf grossen Teilen dieses ersten Abschnitts ist es grau und neblig. Von der Temperatur her ideal zum Laufen, leider nicht unbedingt für die Aussicht.

Bei Kilometer 18 komme ich zur Hirtenkapelle auf knapp 1’400 Metern üNN und ich liege gut in der Zeit. Allerdings sind die Schuhe bereits nass, die Socken durchweicht und die kommenden Trails sind alles andere als trocken.

 

Zum Schneeberg

Laufen in den Wolken
Laufen in den Wolken

Die Temperaturen sind nach wie vor angenehm und die Trails ziehen teilweise durch Wald, teilweise offene Felder. Die Wolken lösen sich noch nicht auf, aber manchmal kann man schon die Sonne spüren.

Was ich auch spüre, sind die Blasen, die sich an meinen Füssen bilden. Seit der Hirtenkapelle merke ich, wie die Reibungspunkte in den nassen Schuhen immer grösser werden. Die wunderschöne Laufstrecke ist durch die starken Regenfälle der letzten Nacht teilweise zum Schlammbad mutiert. Anfänglich habe ich noch versucht das Schlimmste zu vermeiden, doch da sich die Pfützen immer öfter über viele Meter Länge und die ganze Wegesbreite erstrecken, laufe ich irgendwann einfach nur noch mitten durch.

Nach etwa 04:15 erreiche ich bei Kilometer 27 den vorläufigen Höhepunkt der Tour: den Gipfel des Schneeberg mit einer Höhe von 1’938 Metern üNN. Trotz Blasen an den Füssen, liege ich noch immer gut im Plan. Allerdings kommen in mir doch langsam Zweifel auf, ob ich die lange Runde tatsächlich schaffe.

Entscheidung bei der Althausalm

Die nächsten Kilometer führen zurück auf 1’200 m und der nächsten Labestation bei der Althausalm. Der Weg bergab tut gut, verringert sich doch die Reibung an der Ferse im Schuh. Dafür entstehen neue „Hot Spots“ unter der Sohle, da die durchnässte Zwischensohle anfängt sich aufzufalten. Da ich eine Woche nach diesem Ultra beim IRONMAN 70.3 in Rapperswil starten möchte, muss ich alle Schäden begrenzen, dass sie in einer Woche soweit ausheilen, dass ich einen Halbmarathon bestreiten kann. Das, und die Tatsache, dass ich keine Lampe dabei habe, die ich aber ab Kilometer 70 brauche, falls ich nun mit kaputten Füssen deutlich hinter meinem Plan herlaufe, veranlassen die Entscheidung, nur die kurze Runde von 47 km machen. Lieber K47 finischen, als auf der Strecke des K84 aus dem Rennen genommen zu werden und ein DNF zu riskieren.

Als ich am Verpflegungsposten bei der Althausalm ankomme, steht Judith da und ich teile ihr meine Entscheidung mit. Damit ist es für mich nun auch verbindlich und mit einem lachenden und einem weinenden Auge mache ich mich auf den Weg, die letzten Kilometer bis zum Ziel in Schwarzach hinter mich zu bringen.

Ich erreiche den Verpflegungsposten Althausalm
Ich erreiche den Verpflegungsposten Althausalm

Hochglockner und zurück zum Ziel in Schwarzach

Im Ziel in Schwarzach
Im Ziel in Schwarzach

Die verbleibenden 16 Kilometer des K47 führen mich noch einmal in die Höhe, diesmal zum Hochglockner und dann von da aus ins Ziel. Meine Füsse lassen mich wissen, dass meine Entscheidung die richtige war. Der Anstieg zum Hochglockner ist nicht sonderlich schlimm, aber mit den Blasen in den nassen Schuhen definitiv kein Geschenk. So freue ich mich dann auch, als ich in Schwarzach das Zielgelände sehe. Ganz kurz zuckt in meinem Hirn der Gedanke auf, den linken Bogen für den Durchgang in die zweite Runde des K84 zu nehmen, für den ich ja eigentlich gekommen bin. Aber ich bin dann schon froh, als ich mit 06:56:43 die Finisher-Medaille umgehängt bekomme und endlich die nassen Schuhe und Socken von den Füssen bekomme.

Stefan erreicht den Durchgangspunkt kurz vor 13:00, also nur knapp vor der Cut Off Time für den K84. Trotzdem läuft er nach einer kurzen Verschnaufpause weiter.

Stefan kurz vorm weiterlaufen, ich mit Finisher Medaille und Finisher Bier
Stefan kurz vorm Weiterlaufen, ich mit Finisher Medaille und Finisher Bier

Fazit

Der Schwarzach Ultra Trail ist eine Laufveranstaltung, die von Menschen organisiert wird, die ihre Passion für den Trail mit unglaublich viel Herzblut ausleben. Das kleine, familiäre aber auch sehr feine Event ist bis ins kleinste Detail durchdacht und perfekt organisiert. Vielen Dank an dieser Stelle an Fredl Zitzenbacher und sein Team.

In jedem Ultra durchlebt man als Läufer seine ganz eigenen Höhen und Tiefen. Mein Tiefpunkt hier ist natürlich die Tatsache, nicht den K84 gefinished zu haben, wie geplant. Innerlich steht da ein DNF bei mir, auch wenn ich als Finisher des K47 gewertet werde. Auf der anderen Seite bin ich sehr froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. Ab etwa 19:00 sind wieder Gewitterschauer und in den Höhenlagen Hagelschauer runtergekommen. Stefan wurde, wie auch andere, bei Kilometer 70 kurz nach 19:00 von der Bergrettung aus dem Rennen genommen.

Schwarzach ist für mich ein Ziel, dass ich gerne wieder ansteuern werde. Fredl verspricht eine neue Strecke für den K47 fürs kommende Jahr. Mal sehen ob ich einen Startplatz ergattern kann. Und dann ist da noch die Hoffnung auf das 25. Jubiläum in Schwarzach – vielleicht bekomme ich dann meine Revanche auf der Strecke des K84.

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