Low Carb – High Protein – No Fat – Diätenwirrwarr und Geldmacherei

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Gewichtsmanagement ist ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Lebensstils

Die Zahl derer, die Übergewicht für nicht wichtig im Zusammenhang mit der eigenen Gesundheit sehen, ist zwischenzeitlich ziemlich gering. Nach meiner persönlichen Wahrnehmung ist den allermeisten Menschen in unseren Breiten klar, dass bei zunehmendem Gewicht das Risiko für die typischen Zivilisationskrankheiten und Gesundheitsrisiken unserer Zeit steigt. Gleichzeitig reagieren die wenigsten auf die Alarmzeichen der Waage, ebenfalls meine Wahrnehmung.

Ohne einen fundierten Beleg zur Hand zu haben, teile ich übergewichtige Personen, die an einer Gewichtsreduktion ernsthaft interessiert sind, in drei Gruppen ein:

  1. Menschen, denen die gesundheitlichen Risiken ihrer Ernährung bewusst geworden sind und die eine Veränderung anstreben, bevor es zu ernsthaften Konsequenzen kommt
  2. Menschen, bei denen sich die gesundheitlichen Risiken ihrer Ernährung bereits in Form gesundheitlicher Beeinträchtigungen manifestieren, z. B. in Form von eingeschränkter Leistungsfähigkeit, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder kardiovaskulären Problemen bis hin zum Infarkt
  3. Menschen, die salopp gesagt, in der kommenden Saison eine gute Figur in Bikini oder Badehose abgeben wollen

Die Menschen der Gruppe 2 sind, je nach schwere der gesundheitlichen Beeinträchtigung, in medizinischer Behandlung und der Erfolg einer solchen Behandlung ist natürlich stark von der Mitwirkung der jeweiligen Person abhängig. Um diese Personen soll es hier im Weiteren nicht gehen und der folgende Blog ist nicht als Ersatz für solch eine medizinische Behandlung gedacht.

Die Gruppe 3 ist der Treiber für eine ganze Diät-Industrie, die exzellent vom kurzfristigen Denken und Handeln dieser Gruppe lebt. Vertreter der Gruppe 1 stehen zum Teil verwirrt vor den Auswüchsen dieser Industrie, zum Teil suchen sie eigene Wege und zum Teil finden sie ihre eigene Lösung.

Kommerzielle Diäten haben nur mässigen Erfolg

Ein Review, der sich den Vergleich des Erfolgs von vier kommerziell relevanten Diäten (Weight Watchers, Atkins, Zone, South Beach) zum Ziel gesetzt hat, kommt zum Schluss, dass alle vier ihr Geld nicht wert sind. Es sind zwar kurzfristige Erfolge (innerhalb von zwölf Monaten) in punkto Gewichtsreduktion bei allen vieren zu verzeichnen, aber selbst diese kleinen Erfolge werden nicht über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten. Nach 24 Monaten sind die Pfunde, zumindest zum Teil, wieder da.

Nachzulesen ist das in Long-term effects of 4 popular diets on weight loss and cardiovascular risk factors: a systematic review of randomized controlled trials erschienen 2014 in Circulation: Cardiovascular Quality and Outcomes. Da Übergewicht und Fettleibigkeit einen steigenden Trend verzeichnen und die negativen Konsequenzen für die Gesundheit der Individuen ebenso wie die für das Gesundheitswesen und damit für die Allgemeinheit anwachsen, fordern die Autoren des Reviews unter anderem umfassende Anpassungen im Lebensstil. Konsequenterweise sind dies auf der individuellen Ebene eine angepasste Ernährung, mehr Bewegung und eine grundlegende Verhaltensänderung.

Einstellungssache: Vom Abnehmen zum Gewichtsmanagement

Wie Jahre des Jo-Jo-Effekts zeigen, greifen kurzfristige Massnahmen nicht. Das einzige was hier greift ist die Diät-Industrie, nämlich in die Tasche der Übergewichtigen. Das ist die Folgerung aus dem vorstehend genannten Review. Aber was kann man machen?

Der erste Schritt ist, das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer grundlegenden und langfristigen Veränderung zu schaffen. Es muss den Leuten mehr und mehr klar werden, dass es nicht darum geht im kommenden Sommer wieder in die alte Badehose zu passen, sondern die negativen gesundheitlichen Konsequenzen zu vermeiden. Besser noch: statt mit den negativen Konsequenzen drohen, mit der gewonnen Freiheit locken. Freiheit im Sinne einer körperlichen Gesundheit, die es einem erlaubt, fünf Stockwerke im Treppenhaus zurückzulegen, ohne in Atemnot zu verfallen. Ohne Angst vor dem körperlichen Versagen mit den Kindern Fussball spielen. Ohne Seitenstechen mit den Kollegen in der Mittagspause ein Runde um den Block drehen. Beispiele gibt es viele. Die Ziele muss sich jeder selber setzen. Es bleibt aber unabhängig von den Zielen eine Einstellungssache: In sechs Wochen Diät lassen sich nicht die Ernährungssünden von sechs Jahren ausgleichen. Die Ernährungssünden müssen von vornherein unterbleiben. Das bedeutet, weg vom regelmässigen Abnehmen im Frühjahr hin zu einem kontinuierlichen Gewichtsmanagement.

Esse Nahrung. Nicht zu viel. Überwiegend Pflanzen.

Eat food. Not too much. Mostly plants. Das ist eines meiner Lieblingszitate von Michael Pollan und kann als Grundregel für vernünftiges Essen gelten. Nun werden viele sagen, dass sie ja Nahrung essen, was den sonst? Tatsächlich sind grosse Teile dessen, was viele auf dem Teller finden, industriell gefertigte Nahrungsprodukte. Dabei sollte man sich immer vor Augen halten, dass die Hersteller dieser Nahrungsprodukte nur ein Ziel haben: Gewinnmaximierung. Wie wird das erreicht? Durch den Einsatz günstiger Rohstoffe, durch eine möglichst lange Haltbarkeit im Regal und durch einen Sinneseindruck beim Essen, den die Massen als angenehm empfinden.

Was den Einsatz günstiger Rohstoffe betrifft, möchte ich hier nicht auf die Geschäftsgebaren der grossen Vertreter der Nahrungsmittelindustrie, seien es Verteiler oder Produzenten, und die Konsequenzen der Massentierhaltung eingehen. Darüber wurde und wird anderenorts genug geschrieben. Weniger prominent in den Medien sind die Methoden zum Erreichen der gewünschten Haltbarkeit und des erwarteten Sinneseindrucks. Wie wird aus einer verderblichen Ware ein haltbares Nahrungsprodukt? Um das zu erreichen hat die Industrie zwei Wege, die beliebig kombiniert werden. Zum einen entferne ich aus dem Rohstoff Nahrung möglichst alles, was schnell verdirbt. Zum anderen füge ich Konservierungsmittel hinzu. Da das so entstandene Nahrungs(zwischen)produkt nicht den Anforderungen der Konsumenten entsprechen wird, muss es irgendwie durch Zusätze in Form, Konsistenz, Farbe und Geschmack nachgearbeitet werden. Und schon haben wir die fertige Bratensauce in der handlichen Wurstform, von der man ein Stück abschneiden und im Topf warm machen kann. Michael Pollan hat hier den, wie ich finde, sehr schönen Rat, dass man einfach vermeiden sollte etwas zu essen, was unsere Grossmütter nicht als Nahrung erkannt hätten.

Dazu gesellt sich für mich noch die Frage, warum ich etwas essen soll, das nicht mal von Schimmel, Bakterien und Ungeziefer befallen wird (sprich es ist sehr, sehr, sehr lange haltbar). Dazu gibt es mehrere Beiträge, z. B. hier. Ich kann die Seriosität hinter solchen Reportagen nicht einschätzen, aber selbst, wenn diese Extreme nicht der Realität entsprechen, ist doch klar, dass eine lange Haltbarkeit oft mit Zusatzstoffen erreicht wird, die nicht unbedingt eine positive Auswirkung auf mich haben müssen.

Idealerweise esse ich also Nahrung, die keine pseudomedizinischen Versprechen macht, nicht mit einer Liste von Inhaltsstoffen versehen ist, die ich in der überwiegenden Mehrzahl nicht mal aussprechen kann und nicht, durch wie auch immer geartete industrielle Fertigungsprozesse, verändert wurde. Das eine Ernährungsweise, die ganz auf tierische Produkte verzichtet, schon innerhalb von nur sieben Tagen einen positiven Effekt auf die typischen Risikofaktoren wie Blutdruck, Blutzucker, Blutfette und Körpergewicht hat, zeigt die Analyse Effects of 7 days on an ad libitum low-fat vegan diet: the McDougall Program cohort, die 2014 in Nutrition Journal erschienen ist.

Gewichtsmanagement bedeutet Eigenverantwortung

Während Menschen, die Diäten machen, grundsätzlich essen, was ihnen schmeckt, gefällt, oder sonst wie auf den Teller kommt und nur zu speziellen Zeiten, während der Diät nämlich, auf ihre Ernährung achten, läuft es beim Gewichtsmanagement genau anders. Man achtet grundsätzlich auf seine Ernährung. In unserer hektischen Zeit ist das aber vielen zu aufwendig. Ausserdem habe ich noch nie von einer Gemüseparty gehört. Wohl aber von Grill- und Kuchenparties. Dadurch entsteht der Eindruck, Gewichtsmanagement sei anstrengend und bedeute Verzicht.

Aus meiner Sicht ist diese Ansicht aber falsch. Mit einigen einfachen Grundregeln ist es überhaupt nicht anstrengender, aufwendiger oder gar teurer sich gesund zu ernähren und niemand muss deswegen gleich zum Vegetarier oder gar Veganer werden. Der erste Schritt ist, sich seiner Eigenverantwortung bewusst zu werden und sich darüber zu informieren, was man isst. Der zweite Schritt ist den Anteil an pflanzlicher Nahrung zu erhöhen. Rezepte dazu gibt es im Internet viele und gute. Der dritte Schritt ist eine logische Konsequenz aus dem zweiten: Essen selbst zubereiten. In dem Augenblick, wo man weg geht von Fast Food, industriell gefertigten Nahrungsprodukten (z. B. Aufwärmnahrungsprodukte für die Mikrowelle) und Fertiggerichten aus der Dose, setzt man sich zwangsläufig mehr mit dem auseinander, was man zubereitet. Und meine persönliche Erfahrung zeigt, das dadurch von ganz alleine die Qualität des Essens steigt.

Die Nahrungsmittel alle frisch und einzeln zu beschaffen mag zunächst etwas teuer sein, wenn man aber im Gegenzug den Fleischkonsum reduziert oder gar ganz auf Fleisch verzichtet, wird eine Umstellung eher einen positiven Effekt auf den Geldbeutel haben. Fleisch zählt normalerweise zu den teuersten Nahrungsmitteln im Einkaufskorb. Dort wo das nicht der Fall ist, möchte ich jeden anregen über die Produktionsbedingungen nachzudenken, die zu billigem Fleisch oder Wurstwaren führen.

Eigenverantwortlich einen gesunden Lebensstil gestalten

Mit einem gesunden Lebensstil verbinde ich eine entsprechende Ernährungsweise. Einleitend habe ich die Menschen, die an einer Gewichtsreduktion ernsthaft interessiert sind, in drei Gruppen eingeteilt. Vielleicht gibt es noch vielmehr Gruppierungen. Das ist aber nicht wirklich wichtig, solang ich dazubeitragen kann, möglichst viele Menschen dazu zu motivieren, sich in der Gruppe 1 einzuordnen. Von der dort beschrieben Einsicht gelangen viele zum erfolgreichen Gewichtsmanagement und können so langfristig den regelmässigen Diätzyklus durchbrechen und eigenverantwortlich den passenden gesunden Lebensstil gestalten.

Ich wünsche allen viel Erfolg dabei.

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