Lichtenstein Trail-Race & Camp 2017

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Auffahrtswochenende mit Trailfestival

Logo des Veranstalters
Logo des Veranstalters

Als Läufer freut man sich ja, wenn man mal so richtig Zeit hat für sein Hobby. Z. B. am Wochenende. Als Läufer mit einem Hang zu längeren Strecken freut man sich darüberhinaus über die Abwechslung von Trainingsläufen in Form von Veranstaltungen mit längeren Strecken. Das bringt Abwechslung ins Training. Dieses Jahr freue ich mich ganz besonders, das Lichtenstein Trail-Race & Camp entdeckt zu haben, das am langen Auffahrtswochenende vom 25. – 27. Mai stattgefunden hat. Lichtenstein bedeutet hier übrigens ein kleines Städtchen in der Nähe von Reutlingen.

Dort, am Rande der Schwäbischen Alp, hat das Trail Magazin dieses Jahr zum dritten Mal ein Event auf die Beine gestellt, das als Camp organisiert das Flair eines Festivals hat und geführte Läufe sowie einen Wettkampf, das Lichtenstein Sky Race, verbindet. Das Program (oder das Line Up 😉 ) besteht aus Läufen, Vorträgen, Filmen und Interviews. Den als krönenden Abschluss organisierten Wettkampf kann man über zwei Distanzen bestreiten. Entweder als Marathon, oder als Halbmarathon – wobei, diese auf Distanz hinweisenden Etiketten darf man nicht ganz so ernst nehmen.

Sehr ernst sollte man dagegen die in der Ausschreibung erwähnten Höhenmeter nehmen. Auf der langen Runde sind knapp 2’000 Höhenmeter zu überwinden, auf der kurzen immerhin noch 1’050. Und zwar sowohl rauf, als auch runter.

Tag 1: Ankunft und erster Lauf

Judith und ich fahren am Donnerstag morgens los und sind von Muttenz nach ca. drei Stunden Fahrt über den Feldberg in Lichtenstein. Schon am Ortseingang hängen die Schilder, die auf das Trail-Event hinweisen und zeigen uns den Weg zum Festival-Gelände. Dort gegen 12:00 angekommen sondieren wir kurz die Lage und suchen uns unseren Platz fürs Zelt. Zwar sind wir nicht die ersten, aber es ist ausreichend Platz auf dem Sportgelände verfügbar. Duschen und WC vom örtlichen Sportverein inbegriffen.

Vom Veranstalter steht ein grosses Festival-Zelt auf dem Platz, das als zentrale Anlaufstelle dient: Registrierung, Essen, Interviews … alles findet dort statt. Zusätzlich haben sich einige Anbieter und Sponsoren eingefunden und ihre Stände aufgebaut. Hier kann man Schuhe testen, und von günstigen Eventpreisen profitieren oder sich einfach nett mit den Leuten unterhalten.

Knackige Anstiege
Knackige Anstiege

Um 13:30 startet das Event mit dem ersten Revierguide, einem geführten Lauf mit ortskundigen Guides, die uns Trailläufern das Revier zeigen wollen. Die Gruppen teilen sich nach Strecke (ca. 12 oder 22 km ) und nach Tempo auf, so dass am Ende vier Gruppen starten. Judith und ich sortieren uns bei der langsamen Gruppe auf der kurzen Distanz ein. Wir sind etwas skeptisch, wie gut wir hier mithalten können, da wir beide gerade eine hartnäckige Erkältung hinter uns gebracht haben. Alles kein Problem, das Tempo ist tatsächlich sehr moderat und an verschiedenen Aussichtspunkten wartet der Guide wieder bis alle zusammen sind. Und hier wird der Reiz dieses Events und dieser Gegend schnell klar. Es hat hier fantastische Trails mit knackigen Anstiegen, die mit traumhaften Aussichten belohnen.

Stöcke sind eine wertvolle Hilfe
Stöcke sind eine wertvolle Hilfe

Apropos traumhaft. Das Wetter war eine Wucht. Am ersten Tag gab es noch ein paar Wolken, aber an den beiden folgenden Tagen hat kein Wölkchen das Blau am Himmel getrübt. Ich kann nicht sicher sagen, welche Temperaturen wir hatten, aber es würde mich nicht wundern, wenn wir zumindest am Samstag nicht die 30°C-Marke geknackt hätten. Dieser Wettertraum kann natürlich beim Laufen auch zum Alptraum werden. Nicht so am ersten Tag, wir haben unseren kurzen Lauf beendet und nach dem Duschen geht es ins Festival-Zelt um Leute zu treffen und ein kühles Bier zu trinken.

Fotosession mit Panoramaalarm
Fotosession mit Panoramaalarm

Am Nachtlauf habe ich (wegen der gerade ausgestanden Erkältung) kein Interesse, also dürfen es ruhig auch zwei Bier sein und den Ausführungen von Dr. Thorsten Niecke zum Thema Verletzungen kann man ja sicher auch noch mit drei Bier folgen. Da kommt der Aufruf zum Berglauf-Workshop mit dem mehrfachen deutschen Berglaufmeister Timo Zeiler – na wenn ich doch mal das Program im Kopf hätte. Albern gehts also mit der Flasche auf den Sportplatz, um Aufwärmtraining und berglaufspezifische Trainingsformen zu praktizieren und den einen oder anderen wertvollen Tipp fürs eigene Training aufzuschnappen. Danach kommt dann auch noch das Thema Verletzungen beim Traillaufen – der gute Thorsten hat sicher noch nicht an angetrunkene Sportler im Training gedacht.

Soviel frische Luft macht hungrig und dem trägt der Veranstalter mit Unmengen Maultaschen mit Kartoffelsalat und Pizza Rechnung. Wer hier nicht satt geworden ist, wollte nicht. Nach dem Abendessen führt Denis Wischniewski mit den entsprechenden Geschichten durch einen Fundus an Bildern seiner Laufbahn, bzw. des Trail-Magazins. Der erste Tag neigt sich dem Ende zu und mit einem guten Gefühl kriechen wir in die Schlafsäcke.

Tag 2: Revierguide über 22 km

Mit dem ersten Vogelzwitschern auf der Alp werde ich wach, drehe mich wieder um und ratze weiter. Gegen 07:00 muss ich dann aber doch mal raus und wir gehen zum Frühstücken ins Festival-Zelt. Nach dem Frühstück lassen wir uns bei den Ausstellern beraten, probieren diese oder jene Schuhe, fachsimpeln über Sinn und Unsinn bestimmter Accessoires und kaufen natürlich auch das eine oder andere Kleidungsstück. Judith fühlt sich nicht so recht nach Laufen, ich dagegen schon und so schliesse ich mich der langsamen Gruppe über 22 km an.

Aussichtspunkt beim Revier-Guide
Treffen am Aussichtspunkt beim Revierguide

Kurz nach 10:00 geht es los und der Guide führt uns in gemächlichem Tempo über sanfte Waldwege, steinige Anstiege und traumhafte Aussichtspunkte. Insgesamt sind wir knapp dreieinhalb Stunden unterwegs. Für mich genau das richtige, lockerer langer Lauf, immer mal wieder stehen bleiben und das Panorama geniessen. Ca. alle 3 – 4 km warten wir, bis die gesamte Gruppe wieder zusammen ist. So kommt es, dass wir kurz vor 14:00 wieder im Camp sind. Nachdem Duschen gibts was zu Essen (wer auf kalte Pizza steht – es ist noch was von gestern da) und die Ausgabe der Startunterlagen für das Rennen am nächsten Tag.

Gegen 17:30 startet das Kids-Race. Hier kommen die Kleinsten auf ihre Kosten und auch die Grossen haben ihren Spass, wenn Lars Schweizer, ein Finisher des diesjährigen Transvulcania, als Pacer von den ca. 10 jährigen auf der 900 m langen Runde in die Übersäuerung gehetzt wird. Dabei verbreiten ein toller Moderator und prima Musik gute Laune.

Warten auf die Gruppe
Warten auf die Gruppe

Gegen 18:30 geht es zum Essen wieder ans Buffet, diesmal mit tollem frischem Salat und Risotto. Nach dem Essen kommt das Race-Briefing, dass uns auf den Samstag einschwören soll. Neben dem obligatorischen Hinweis auf den Umweltschutz und den Last Minute Anpassungen des Pflichtgepäcks (auf die Regenjacke konnte dann doch verzichtet werden) wurden wir mit der kompletten Strecke und den Besonderheiten einzelner Abschnitte vertraut gemacht. Dazu gehörte besonders auch der Hinweis auf das Wetter, die Hitze und den prallen Sonnenschein, dem wir an einigen Stellen ausgesetzt sein werden. In dem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass alle Läufer aufgefordert sind mindestens 1 Liter Flüssigkeit mitzunehmen, denn es gibt nur vier Verpflegungsposten, den ersten nach 14 km. Alles kein Problem, man muss es nur wissen und sich danach richten.

Mit diesen Eindrücken geht nach gemütlichem Plausch auch der zweite Tag zu Ende und mit der Vorfreude auf einen interessanten Lauf gehts in die Schlafsäcke.

Tag 3: Die Hitzeschlacht von Lichtenstein oder der Marathon mit der Extrameile

Streckenverlauf des LSR-Marathon
Streckenverlauf des LSR-Marathon

Gegenüber dem Vorjahr hat der Veranstalter ein paar Anpassungen in der Streckenführung des Marathons gemacht. Das führt dazu, dass die Strecke etwas länger ist, als die typische Marathondistanz. Im Briefing wurde von 45 km gesprochen. Man kann das auch so sehen: Der Veranstalter hat einige organisatorische Klimmzüge bewältigt, um ein fantastisches Event mit einem tollen Rennen auf die Beine zu stellen. So wie dort von Denis Wischniewski und seinem Team die Extrameile gegangen wurde, so sind wir Läufer jetzt gefordert etwas mehr zu leisten: eben einen Marathon mit der Extrameile.

Wie schon am Vortag angekündigt, haben wir ein bombastisches Wetter, keine Wolke, Sonnenschein pur und sicher über 30°C. Um 10:00 starte ich auf die Marathondistanz, um 10:30 geht Judith auf die Halbmarathonstrecke. Das Streckenteam hat bei der Markierung ganze Arbeit geleistet. In Abständen von 300 – spätestens 400 Metern ist eine Markierung angebracht. Entweder Sprühkreidepunkte, Flatterbänder in den Bäumen, oder Fahnen am Wegrand, oft auch alles drei auf einmal, wenn es kritische Abzweigungen gibt. Ich hab mich zu keinem Zeitpunkt auf der Stecke unwohl gefühlt oder war mir unsicher, ob ich noch richtig bin.

Höhenprofil des Lichtenstein Sky Race Marathon
Höhenprofil des Lichtenstein Sky Race Marathon

Hart steigt die Strecke gleich nach dem Start an und führt die Läufer in die Höhen der Schwäbischen Alp um Lichtenstein, nur um dann in kurzen Wechseln bis Kilometer 7 bergab und bergauf zuführen. Dann folgt der erste längere Abstieg und, wer hätte es gedacht, der Gegenanstieg folgt sofort bei Kilometer 11. Bei Kilometer 12 hat man dann etwa wieder die Höhe des ersten Anstiegs erreicht. Jetzt kommt bald der erste Verpflegungsposten und es folgt ein ständiges auf und ab bis Kilometer 23. Ebene Streckenabschnitte gibt es so gut wie keine und es folgt der zweite lange Down-Hill-Abschnitt. Bei den Wetterbedingungen schon keine einfache Strecke, auch wenn der Trail überwiegend durch den Wald führt.

Besondere Erwähnung muss sicher noch der Verpflegungsposten bei Kilometer 20 oder 21 finden. Zum einen, weil man ihn zweimal anläuft (das zweite mal auf dem Rückweg bei ca. Kilometer 41), zum anderen, weil er an einem Dorfbrunnen aufgebaut ist, der bei diesem Wetter eine absolut tolle Abkühlungsmöglichkeit darstellt.

Judith und ich kurz vorm Start
Judith und ich kurz vorm Start

Bei Kilometer 25 kommt dann der brutale Anstieg zum „zweiten Teil der Strecke“. Im Briefing wurden wir gewarnt, dass wir hier der Sonne ausgesetzt sein werden und so ist es dann auch. Die ersten beiden langen Anstiege mögen steiler gewesen sein, die Beine waren frischer und die Sonne knallte noch nicht ganz so erbarmungslos. Das ist es auch, was die folgenden 5 Kilometer so hart macht. Alle, die ich hier an der Strecke treffe, haben mit der Hitze zu kämpfen. Die Ab- und Aufstiege der kommenden 5 Kilometer sind für mich besonders hart, weiss ich doch, dass ich zwischen Kilometer 33 und 35 normalerweise meinen ersten Crash habe. So ist es auch bei diesem Rennen und die folgenden 2 Kilometer nutze ich, um mir intensiv die Gegend anzuschauen und mich kräftemässig wieder zu sammeln. Ab Kilometer 37 geht es etwas bergab und ich habe meine Form wiedergefunden und kann endlich weiterlaufen.

Motivierend kommt hinzu, dass ich einige Läufer einholen kann und die letzten 8 Kilometer ziehe ich, bis auf ein paar Gehpausen an besonders steilen Stücken, laufend durch. Kurz vor der 42.2 km-Marke (auf der Strecke wohlgemerkt, nicht im Ziel) treffe ich nochmal die Helfer am Dorfbrunnen, kühle mich ab und mache mich auf die letzten Kilometer. Es folgt eine kurze Down-Hill-Passage in Richtung Festivalgelände und ein sanfter Schlussanstieg, der nochmal alle Kräfte fordert. Und dann kommt der Sportplatz mit dem Ziel in Sicht. Wie immer, ist jeder Schmerz verflogen und froh nehme ich meine Finishermedallie entgegen.

Mein Fazit

Tolles Trail-Festival, das wir sehr gerne wieder besuchen werden. Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr und hoffen dort bei ähnlich gutem Wetter alte Bekannte und neue Freunde treffen zu können.

Mir fällt nur ein einziger Punkt ein, bei dem ich mich über eine Verbesserung durch den Veranstalter freuen kann: eine bessere Kühlung der ausgeschenkten Getränke. Das wäre toll.

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