IRONMAN Switzerland

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Die Magischen Zahlen – 3.8 / 180 / 42.2

Ein weiterer Meilenstein des Jahres: mein erster IRONMAN über die volle Distanz. Ein Abenteuer der besonderen Art … 3.8 km Schwimmen – 180 km Radfahren – 42.2 km Laufen, die magischen Zahlen addieren sich zu einem Event der Superlative auf, für das ich mir das Ziel gesetzt habe unter 12 Stunden zu bleiben.

Meine Vorbereitung beinhaltetet die Teilnahme an einem Triathlon über die olympische Distanz (Triathlon Rheinfelden), einer Halbdistanz  (IRONMAN 70.3 in Rapperswil) und einem extrem Triathlon, ebenfalls im Format einer Mitteldistanz (HELVETICMAN). Alles in allem sind aber diese Vorbereitung und der IRONMAN selbst teil meines Trainings für den diesjährigen Swiss Alps 100, wo ich über die Distanz von 100 km laufen werde. Trotzdem ist die Teilnahme an einem Langdistanztriathlon natürlich ein ganz besonderes Highlight.

Anreise, Registrierung und Einchecken

Der Zielkorridor (hier noch für die Kurzdistanz - 5i50 - vorbereitet)
Der Zielkorridor (hier noch für die Kurzdistanz – 5i50 – vorbereitet)

Mit einem Event, mehr oder weniger direkt vor der Haustür, ist die Logistik drumherum ganz einfach, sollte man meinen. Leider trifft das für mich nicht zu. Ich wohne dann doch zu weit von Zürich weg, um mal eben schnell hin und her zu fahren. Also bin ich am Freitag zum Registrieren und Race Briefing gefahren, hab mir das Eventgelände angeschaut und bin dann wieder heim.

Einchecken von Rad und Wechselkleidern kommt dann am Samstag. Also wieder hin, diesmal aber zum Übernachten, da der Start am Sonntag um 07:00 ist. Mein Timeslot fürs Einchecken ist irgendwann zwischen 17:30 und 18:30. Alles ist beim IRONMAN exakt durchgetaktet. Für den Organisator macht es das etwas übersichtlicher, die etwa 1’900 Starter (nur für die Langdistanz, dazu kommen Kids-Events, und der 5i50) zu managen. Für mich als Starter gibt es aber ein sehr enges und starres Korsett vor.

Rad und Wechselkleidung sind eingecheckt und alles verläuft erwartungsgemäss reibungslos und unspektakulär. Besonderes Augenmerk lege ich darauf, mir die Wechselzone und den Platz für mein Rennrad einzuprägen. Da ich in Rapperswil Schwierigkeiten hatte, beim Wechsel gleich auf anhieb mein Rad zu finden und dort wertvolle Zeit verloren habe, möchte ich das natürlich hier besser machen. Wir werden sehen …

Start, Schwimmen und der erste Wechsel

Morgens vom Einschwimmen im über 25°C warmen Zürichsee
Morgens vorm Einschwimmen im über 25°C warmen Zürichsee

Am frühen Morgen mache ich mich in Begleitung von Judith zum Startgelände auf. Dort wird dann endlich klar, was sich schon am Vorabend abzeichnete: der Zürichsee ist über 25°C warm. Ab 24.5°C gilt ein Neoprenverbot. Das trifft mich jetzt nicht ganz so hart, aber lieber wäre mir der Neo schon gewesen. Meiner Meinung nach profitieren besonders zwei Gruppen vom Neo: 1. die schlechteren Schwimmer, die durch den verbesserten Auftrieb eine vernünftige Wasserlage erhalten, die sie sonst nicht hätten und 2. die Spitzenathleten, bei denen es um jede Minute oder sogar Sekunde geht. Mit meiner angepeilten Schwimmzeit von ca. 01:05:00 ist der Neo nicht so von Bedeutung.

Ich reihe mich also für den Roling Start entsprechend ein und zügig schickt der Veranstalter die etwa 1’900 Athleten auf die Reise. Es ist zwar kein Massenstart, aber viel besser ist das Gewühl am Anfang auch nicht. Es braucht schon etwas Durchsetzungsvermögen, um sich an den Wendebojen zu behaupten und nicht abdrängen zu lassen. Nach 01:09:34 bin ich aus dem Wasser. Nun der Wechsel …

Der Start in einen langen anstrengenden Tag
Der Start in einen langen anstrengenden Tag
Ich hab mein Rad
Ich hab mein Rad

… und damit zum Deja Vue. Wo steht mein Rad? Verdammter Mist, ich hab mir doch extra die Wechselzone eingeprägt und bin vorher alles abgelaufen – leider aber aus der falschen Richtung. Ich hab nicht bedacht, von wo ich aus dem Wasser kommend in die Wechselzone gelangen werde und hab deshalb nicht die richtige Orientierung. Wie schon in Rapperswil suche ich also mein Rad und verliere wertvolle Minuten.

Na ja, egal, ich bin ja nicht hier zum Gewinnen, sondern zum Spass haben und der soll ja nun auf der Radstrecke kommen, nachdem ich mein getreues Stahl- (Carbon-) Ross gefunden habe. Meine Wechselzeit von knapp 6 Minuten ist aber definitiv verbesserungsfähig.

180 km auf dem Rad

Die wegen des Neoprenverbots längere Schwimmzeit und der etwas zeitaufwändige Wechsel sind schnell aus dem Gedächtnis gewischt. Mein Ziel heisst: unter 12:00:00. Alles im grünen Bereich, geplant habe ich 01:30:00 für Schwimmen und beide Wechsel, 06:00:00 für die Radstrecke und 04:00:00 für den Marathon. Damit habe ich immer noch gut Spielraum für Unvorhergesehenes.

Und das Unvorhergesehene kommt. Nicht gleich, aber langsam, schleichend, in Form von schweren Beinen. Tatsache ist, dass die Radstrecke in Zürich auf 180 km mit ungefähr 1’500 Höhenmeter etwa soviel Steigung aufweist wie die 90 km Radstrecke beim 70.3 in Rapperswil. Tatsache ist auch, dass ich noch nie 180 km am Stück im Sattel gesessen bin, egal ob mit oder ohne Steigung. Und Tatsache ist auch, dass 90 km mit einem 30er Schnitt ganz schön an die Substanz gehen. Richtig bemerkbar macht sich das bei mir am Ende der ersten Runde. Meinen 30er Schnitt konnte ich bis jetzt halten. Und dann kommt Heartbreak Hill. Nicht lang, aber steil. Dazu eine tolle Stimmung, weil hier die Zuschauer eine enge Gasse bilden und die Athleten anfeuern. Diese Stimmung trägt einen auch gut über die letzten Meter dieser Steigung, bevor es wieder runter zum Ausgangspunkt der Runde geht.

Phantastischer Blick vom Heartbreak Hill
Phantastischer Blick vom Heartbreak Hill
Auf gehts in die zweite Runde
Auf gehts in die zweite Runde

Nachdem ich die erste Runde also im Soll von etwas unter 3 Stunden absolviert habe, merke ich nun deutliche Ermüdungserscheinungen.

Der erste Abschnitt der Radrunde verläuft ca. 20 km flach am See entlang, bevor die ersten Steigungen kommen. Auf der ersten Runde habe ich auf diesem Abschnitt Gas gegeben und bin deutlich über 38 km/h im Schnitt geblieben. Daran ist nun auf der zweiten Runde gar nicht mehr zu denken. Meine Geschwindigkeit liegt irgendwo bei 33 – 35 km/h, gut, aber nicht gut genug, um mit den kommenden Steigungen einen Gesamtschnitt von 30 km/h halten zu können. Das ist mir bald klar.

Der Start am morgen ist zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Stunden her und ich fühle mich ziemlich am Ende, da geht es für mich bei Kilometer 140 zum zweiten mal in den Anstieg Richtung Uster. Bis Kilometer 160 benötige ich einer weitere Stunde. Diese 20 Kilometer oder eine Stunde laugen mich so richtig aus. Es folgen dann etwa 12 flache Kilometer, die ich mit einem 28er Schnitt fahre. Ein Kompromiss aus möglichst schnell vorwärts kommen und gleichzeitig die Beine erholen, um das zweite mal Heartbreak Hill zu überstehen. Dieser etwas über einen Kilometer lange Anstieg zwingt mich auf 9 km/h.

Aber alles hat ein Ende und auch diese Runde geht vorbei. Mein Kopf ist schon eine Etappe weiter. Wie soll ich jetzt noch den Marathon überstehen? Nach 06:28.56 überquere ich die Messmatte und führe den zweiten Wechsel durch. Dabei lasse ich mir bewusst Zeit, ist mir doch klar, dass meine Laufperformance nach der Quälerei auf dem Rad nicht annähernd mein gestecktes Ziel erfüllen wird.

Es ist jetzt ungefähr 14:45. Zielschluss ist 23:00. Irgendwie werde ich schon finishen und wenn ich die vier Runden durch die Zürcher Innenstadt spazieren gehe.

Ein Marathon geht immer

Auf der Laufstrecke
Auf der Laufstrecke

… zumindest behauptet das ein befreundeter Läufer aus der Ultraszene. Der Wechsel vom Rad hat über 5 Minuten gedauert, aber diese 5 Minuten haben Wunder gewirkt. Klar, ich bin nicht frisch und total ausgeruht, aber ich kann laufen und starte aus der Wechselzone heraus mit einem 5er Pace, also 12 km/h und damit deutlich schneller, als ich für meinen geplanten 4 Stunden Marathon eigentlich sein müsste. Es ist ein gutes Gefühl, nach den Strapazen auf dem Rad und ich nehme etwas Tempo raus.

Der Laufkurs ist eine 10.5 km lange Runde durch Zürich, grösstenteils flach und führt entlang des Seeufers, mitten durch das Bankenviertel und die Zürcher Innenstadt. Es gibt sieben Verpflegungsposten, die alle mit Sprinkler und Schwämmen zum Abkühlen ausgestattet sind, einige sogar doppelt, am Anfang und am Ende des Postens. Bei den Wetterbedingungen ist das sehr hilfreich und ich sehe zahlreiche Athleten, die trotzdem der Hitze und den Anstrengungen in der einen oder anderen Form Tribut zollen müssen: Mit Krämpfen stehen sie an der Seitenlinie, übergeben sich, oder werden gerade vom medizinischen Personal betreut.

Meine Taktik: zwischen den Verpflegungsposten laufe ich, bei den Verpflegungsposten nutze ich ausgiebig die Sprinkler, spaziere von Tisch zu Tisch und trinke, bzw. esse, wonach mir gerade ist. Damit komme ich ziemlich gut über die Runden. Zwar werden die Laufsegmente immer langsamer und auf der vierten (und letzten Runde) muss ich mich doch arg zusammenreissen, aber ich komme vorwärts. Am Ende erreiche ich das Ziel mit einer Marathonzeit von 04:12:05. Nicht die vier Stunden, die ich mir mal vorgenommen habe, aber nach dem Einbruch auf dem Rad, hab ich nicht mehr mit einer Zeit unter 6 Stunden gerechnet.

Als ich endlich den Zielkorridor erreiche, an dem übrigens die Laufrunde vorbeiführt, d. h. ich bin hier schon dreimal vorbeigekommen, bevor ich zum Ziel abbiegen darf, laufe ich sehr fokussiert und sehe nur noch den Zielbogen mit der Zeit. Die Cheerleader, die die Läufer hier begrüssen nehme ich überhaupt nicht war. Durchs Ziel drehe ich mich um und sehe meine Zeit: 12:01:46.

Da standen Cheerleader?
Da standen Cheerleader?

Fazit

Der IRONMAN Switzerland 2018 ist mein Debüt auf der Langdistanz. Entsprechend glücklich bin ich dieses Abenteuer abgeschlossen zu haben. Mit 12:01:46 erreiche ich Platz 63 in meiner Altersklasse, bzw. Platz 637 in der Gesamtwertung. Dass ich das bei dieser Hitze und ohne vernünftige Vorbereitung für das Radsegment hinbekommen habe, ist ein prima Ergebnis. Aber es bleibt der schale Beigeschmack, mein selbstgestecktes Ziel um knapp 2 Minuten verfehlt zu haben.

In diesem Jahr habe ich einige Ziele verfehlt, nicht weil ich zu hoch gepokert hätte, sondern weil ich im ersten Quartal des Jahres zweimal mit Grippe im Bett lag und mir deshalb wichtige Trainingseinheiten für die Grundlagenausdauer fehlen. Dies zwei Minuten sind aber die einzigen, die tatsächlich etwas schmerzen. Es war knapp und ich weiss genau an welchen Schrauben ich hätte drehen können, um das Ziel doch noch zu erreichen. Deshalb hoffe ich auf eine Revanche beim IRONMAN Switzerland mit mir selber. Nicht in 2019, da gibt es andere Ziele, aber vielleicht in 2020.

Ach ja, eine Sache habe ich bestätigen können – ein Marathon geht tatsächlich immer 😉

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