Meine erste Halbdistanz im Triathlon – IRONMAN 70.3 Switzerland

Veröffentlicht in: Swim-Bike-Run | 1

70.3 – Triathlon Halbdistanz

Dieses Event ist Teil eines ganz besonderen Abenteuers für mich. In diesem Jahr möchte ich meinen ersten waschechten IRONMAN machen. Im Rahmen der Vorbereitung auf die Langdistanz bin ich bei der Halbdistanz in Rapperswil – IRONMAN 70.3 Rapperswil-Jona Switzerland – gestartet. Konkret bedeutet das: 1.9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21.1 km Laufen.

Nach meinem Debüt auf der Olympischen Distanz im Mai mein zweiter Triathlon überhaupt.

Einchecken am Vortag

IRONMAN ist ein gut geöltes Unternehmen und entsprechend professionell organisiert ist der ganze Event. Am Vortag reisen Judith und ich an. Die Parkplätze sind schnell gefunden und die Beschilderung lotst uns zuverlässig zur Registrierung.

Die Registrierung selbst ist kurz und bündig. Einzig, dass ich den Athletenrucksack nicht direkt erhalte, sondern dafür ins Village muss, wo die ganzen Zubehör- und sonstigen Anbieter ihre Zelte aufgeschlagen haben, finde ich etwas unglücklich. So wird vermutlich sichergestellt, dass jeder Teilnehmer auch bestimmt mal dort vorbeikommt und sich die Aussteller ansieht. Wie schon erwähnt, IRONMAN ist ein gut geöltes Unternehmen und die Merchandise-Maschinerie läuft auf Hochtouren.

In meinem Athletenrucksack finde ich dann auch die Wechselbeutel, die nun mit meiner Startnummer beklebt werden und meine Wechselkleider aufnehmen. Blau fürs Radfahren, Rot fürs Laufen. Beide Wechselbeutel werden zusammen mit den Rennrad eingecheckt. Beim Betreten der Wechslezone überzeugt sich der Veranstalter von der Tauglichkeit des Rads und des Helms und beim Verlassen der Wechselzone erhalte ich meinen Transponder für die Zeitmessung.

Geschafft, die erste Hürde ist genommen. Noch ein kurzer Abstecher ins Village, wo wir natürlich den Kaufreizen erliegen, bevor wir zurück zum Auto spazieren und zum Übernachten auf einen nahegelegenen Campingplatz fahren.

Schwimmen und der 1. Wechsel

Am Renntag fahren wir zurück nach Rapperswil, wo uns eifrige Einweiser schnell und zuverlässig einen Parkplatz zuweisen. Dann geht es ab in die Umkleide und ich verstaue mein „Strassenklamotten“ im dritten, dem weissen, Wechselbeutel – für nach dem Rennen. Mit dem Neo überm Arm gehe ich zum Einschwimmbereich, von wo aus man auch einen guten Überblick über das Startgelände hat, wo sich, sortiert nach Alterskategorien, in Wellen die Triathleten in den See ergiessen.

Schliesslich ist es dann doch an der Zeit sich tatsächlich in den Neo zu zwängen und ein paar Runden zum Einschwimmen zu absolvieren. Es dauert eine ganze Weile, bis es endlich soweit ist und mein AK in den Vorstartbereich gebeten wird. Dort sortieren wir uns noch nach erwarteter Schwimmzeit. Ich stelle mich bei 32 – 35 Minuten auf und die Spannung steigt. In Gruppen zu je vier Personen werden die Triathleten im 5 Sekundenrythmus auf die Reise geschickt. Und plötzlich steh ich am Wasser – es geht los – ich schwimme.

Zum Glück finde ich schnell in meinen Rhythmus und kann mich an anderen Schwimmern orientieren. Die Bojen sind aber auch gross genug und ausreichend dicht gesetzt, so dass man sich leicht orientieren kann. Noch vor dem Wendepunkt schwimmen wir in die langsamen Athleten der vorherigen AK. Dadurch wird es zwar etwas enger, aber mein Gefühl sagt mir, dass ich gut vorwärts komme. Nach 0:32:14 überquere ich die Messmatte und meine Zeit für T1 beginnt zu laufen. Transfer 1 oder mein Wechsel vom Schwimmen aufs Rad.

Als erste muss ich mal den Neo aufbekommen. Dann meinen Wechselbeutel finden und mich im Wechselzelt umziehen. Neo, Schwimmbrille und Badekappe gehen in den Wechselbeutel zurück und verbleiben in der Wechselzone, wo sich die Helfer darum kümmern, dass der Beutel wieder am richtigen Platz aufgehängt wird. Helm auf, Schuhe und Handschuhe an und los gehts.

Ab zum Rad.

Ja, wo isses denn, das Rad?

Am Morgen habe ich vor dem Start noch die Möglichkeit genutzt und bin in die Wechselzone gegangen und habe geprüft, ob alles da und in Ordnung ist. Rad, Wechselbeutel Rot und Wechselbeutel Blau. Alles war OK. Das Rad muss doch hier sein … Zum Glück bemerkt Judith meine Orientierungslosigkeit und gibt mir von hinter der Absperrung Anweisungen. Da ist es dann auch endlich und ich schiebe zum Ausgang.

Für den Wechsel benötige ich 06:38. Da gibt es noch Verbesserungspotential.

Radfahren und der 2. Wechsel

Das Rennrad ist für mich die grosse Unbekannte beim Triathlon. Die Schwimmstrecke ist verhältnismässig schnell absolviert und als Ultra-Trail-Läufer schrecken mich die Laufdistanzen beim Triathlon ebenfalls nicht. Aber beim Rad fehlt mir jede Erfahrung. Entsprechend verhalten gehe ich auf die Strecke.

Beim 70.3 in Rapperswill bedeutet Radstrecke: zwei Runden mit je 45 km und ca. 750 Höhenmetern. Kurz nach dem Einfädeln auf die Radstrecke kommt die erste Verpflegungsstelle, an der ich geplant habe zwei Trinkflaschen und ein Gel aufzunehmen. Das sollte man mal vorher üben – weiss ich jetzt. Die erste Trinkflasche hab ich quer über den Verpflegungsposten geschossen, weil ich sie nicht richtig gegriffen bekommen hab, genauso das Gel. Die zweite Flasche hab ich dann erwischt. Immerhin. Da bei einem IRONMAN-Brand Event die Verpflegungsstellen ziemlich dicht gesetzt sind – es sind drei auf der Radrunde, also sechs bei 90 km – ist das nicht weiters schlimm, bei etwa Kilometer 13, nach dem legendären Witches‘ Hill, kommt bereits die zweite Verpflegung. Und dort klappt es diesmal beim ersten Versuch mit der Flasche und auch mit dem Gel. Dachte ich. Leider hab ich das Gel nicht in die Trikotasche gesteckt, sondern nur unter das Startnummernband – und weg wars, das Gel. Etwa bei Kilometer 22 in Goldingen fasse ich dann aber bei der dritten Verpflegungsstelle tatsächlich auch das Gel.

Gestärkt geht es dann auf die Abfahrt und dann bald auch auf die zweite Runde. Ehe ich mich versehe bin ich nach 2:48:58 mit den 90 km durch und es folgt der zweite Wechsel. Mit 03:01 ebenfalls keine Glanzleistung, aber schon deutlich besser als der erste Wechsel.

Laufen und das Ziel

Die Schlosstreppe
Die Schlosstreppe

Die Laufstrecke besteht aus einer Runden von 10.5 km ohne nennenswerte Höhenmeter und ist mit sieben Wasser- und Verpflegungsposten sehr grosszügig ausgestattet, bei der Hitze am Renntag erscheint mir das allerdings nicht als Luxus. Die Runde wird zweimal durchlaufen. Damit kommt man auch zweimal am Höhepunkt der Strecke vorbei, der Schlosstreppe.

Anders als bei meinem ersten Triathlon im Mai, fühle ich mich beim Laufen deutlich wohler. Ich bin sicher nicht mehr der Frischste und noch viel weniger der Schnellste, kann aber mein Tempo gut halten. Als ich auf der ersten Runde auf die Schlosstreppe treffe, bin ich in der Lage in gleichmässigem Tempo die Stufen zu nehmen, während andere Opfer der Hitze und der Steigung werden und sich eher gemächlich die Treppe hinaufquälen.

Auch diese beiden Runden und 21 km gehen vorbei – nach 1:51:14 ist der Halbmarathon geschafft.

Ich laufe die Schlosstreppe hinauf
Ich laufe die Schlosstreppe hinauf

In Summe benötige ich 5:22:02 für meine erste Mittel- oder Halbdistanz. Die letzten Meter in der Zielgasse fliege ich förmlich dahin, die Atmosphäre trägt einen die letzten Meter ins Ziel. Ein schönes Gefühl. Auch ein schönes Gefühl ist es, es endlich geschafft zu haben und zu wissen, dass die Anstrengung vorbei ist. Klatschnass vom Schweiss sehne ich mich nach einer Dusche und einem Bier.

In der Zielgasse
In der Zielgasse
Geschafft und im Ziel
Geschafft und im Ziel

Mein Fazit

Eine IRONMAN Veranstaltung ist eine grosse Show und äusserst professionell durchorganisiert. Als Athlet kann man sich ganz auf die eigene Leistung konzentrieren. Für mich war es ein spannendes Rennen mit ganz neuen Erfahrungen.

  1. Pius Schnyder

    Hallo
    habe mich auch dazu entschieden mal den Ironman in Rapperswil zu machen! Dies möchte ich nächstes Jahr schaffen. Für mich ist Schwimmen wie auch Rennrad absolutes Neuland.

    Dein Bericht ist so Interessant geschrieben einfach genial.

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