Gutes Gluten – Böses Gluten

Eingetragen bei: Ernährung | 0

Von der Zöliaki zum Wellness Lifestyle „Gluten Free“

Zöliaki ist eine Glutenunverträglichkeit, die sowohl Merkmale einer Allergie als auch einer Autoimmunerkrankung aufweist. Sie ist besonders durch eine chronische Entzündung der Dünndarm­schleimhaut aufgrund einer Überempfindlichkeit gegen Bestandteile von Gluten, … , charakterisiert. Betroffen sind etwa 1% der Bevölkerung, wie die Autoren von Coeliac Disease, erschienen Juli 2017 in The Lancet, feststellen. Dort wird auch erläutert, dass für die Entwicklung der Krankheit eine Kombination aus erblicher Prädisposition und Umweltfaktoren am wahrscheinlichsten sind. Eine erfolgsversprechende Behandlung basiert gegenwärtig ausschliesslich auf einer Ernährung, die das auslösende Gluten komplett aus dem Ernährungsplan verbannt. Für diese 1% der Bevölkerung ist eine glutenfreie Ernährung der einzige Weg zu einem beschwerdefreien Leben.

Dem gegenüber steht ein wachsender Anteil der Bevölkerung, der sich glutenfrei ernähren möchte, ohne dass eine offensichtliche medizinische Begründung vorliegt. Der Grund: eine glutenfreie Ernährung wird mit gesunder Ernährung gleichgesetzt. So gehen Marktforschungsunternehmen davon aus, dass in den USA bis zu 30% der Bevölkerung den Anteil an Gluten in ihrer Ernährung zumindest reduzieren, wenn nicht ganz eliminieren wollen (Stand 2013). Für europäische Länder dürfte der Trend ähnlich aussehen.

Aber, da stellt sich mir die Frage, macht das Sinn? Ist eine glutenfreie oder -reduzierte Ernährungsweise ohne medizinische Indikation sinnvoll? Und was macht der Hinweis „glutenfrei“ auf der Hundefutterdose?

Glutenfreie Ernährung ist nicht gleich eine gesunde Ernährung

Der Frage, ob eine glutenfreie oder -reduzierte Ernährungsweise auch in Abwesenheit von Zöliaki gesundheitlich förderlich ist oder nicht, haben sich die Autoren der Studie Long term gluten consumption in adults without celiac disease and risk of coronary heartdisease: prospective cohort study, erschienen 2017 in The British Medical Journal angenommen. Im Rahmen dieser Studie wurden fast 2.3 Mio. Personen über einen Zeitraum von 26 Jahren begleitet. Einen negativen Zusammenhang zwischen glutenhaltiger Ernährung und koronarer Herzerkrankungen konnte nicht nachgewiesen werden. Im Gegenteil postulieren die Autoren, dass durch das Vermeiden von Gluten auch weniger Vollkornprodukte konsumiert werden, was seinerseits das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erhöht. Somit kommen die Autoren zur Folgerung: The promotion of gluten-free diets among people without celiac disease should not be encouraged

Den positiven Effekt auf das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen haben die Autoren von Effect of wheat bran on serum lipids: influence of particle size and wheat protein, erschienen 1999 in The Journal of the American College of Nutrition damit erklärt, dass Gluten in der Lage ist, den Anteil an Triglyceriden im Blut zu senken.

In einer weiteren Studie wurde der Zusammenhang zwischen Gluten in der Ernährung und Typ 2 Diabetes untersucht. Die Autoren von Associations of Gluten Intake With Type 2 Diabetes Risk and Weight Gain in Three Large Prospective Cohort Studies of US Men and Women, erschienen 2017 in Circulation, finden keinen negativen Effekt des Glutens in der Nahrung auf die Wahrscheinlichkeit einen Typ 2 Diabetes zu entwickeln. Eine glutenfreie Ernährung ist aber tendenziell arm an Faserstoffen und Vollkornprodukten, beides Nahrungskomponenten, die helfen, das Diabetesrisiko zu senken.

Aus diesen Beispielen leite ich für mich ab, dass eine glutenfreie oder -reduzierte Ernährung ohne medizinische Indikation keinen Sinn macht und sogar eher schädlich als gesundheitsförderlich ist.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.