Swissalpine Marathon Davos – 78 km, 2’800 Höhenmeter (+/-)

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K78 in 9:34:46

Der K78 des Swissalpin Marathon in Davos wirbt damit, der „weltweit grösste Berg-Ultramarathon“ zu sein. Dieser Lauf über knapp 78 km mit 2’800 positiven Höhenmetern und einem Zeitlimit von 13 Stunden ist für mich eine echte Herausforderung, umso mehr, als ich gerade mal 14 Tage davor meinen ersten 80er, den Swiss Alps Endurance Run, gelaufen bin.

Umso glücklicher bin ich, den K78 in der für mich absolut tollen Zeit von unter 9:35 gefinished zu haben. In meiner Altersklasse (M40) bin ich damit auf Platz 42 bzw. in der Gesamtwertung auf Platz 109 von 454 Startern. Etwa 40 Starter haben den Lauf vorzeitig abgebrochen oder wurden aus dem Rennen genommen (DNF), was sicher auch dem aggressiven Zeitlimit geschuldet ist.

Die Stecke verläuft von Davos nach Filisur, weiter nach Bergün, dann zur Keschhütte über den Sertigpass und Sertig Dörfli zurück nach Davos und bildet damit einen landschaftlich sehr schönen Rundkurs der einige Highlights zu bieten hat. Zwei weitere Informationen, die ich für wichtig halte: 1. das Reglement verbietet die Verwendung von Treckingstöcken, was sicher eher unüblich für einen Bergultra ist und 2. der Streckenplan weist 15 Verpflegungsstationen aus, Davos am Start und Ziel nicht mitgerechnet.

Streckenübersicht K78
Streckenübersicht K78 **

Beides trägt mit dem bereits erwähnten Zeitlimit zu einem schnellen Lauf bei.

Ebenfalls Auswirkungen auf das Tempo (zumindest bei mir) hat die Tatsache, dass die Staffeln, aufgeteilt in vier Abschnitte mit den Einzelläufern gemeinsam starten. Dadurch kommen immer wieder frische Läufer ins Feld, die das Tempo hochhalten und die Einzelläufer mitziehen. An den Startnummern (dreistellig für Einzelläufer, vierstellig für die Staffeln) kann man diese schnellen Läufer aber ganz gut erkennen und sich dann bewusst dafür oder dagegen entscheiden das Tempo mitzugehen – sofern man nicht dem eigenen Jagdtrieb erliegt.

Die hohe Teilnehmerzahl, die hohe Dichte an Verpflegungsstationen und die gute Markierung machen es eigentlich unmöglich, sich zu verlaufen. Zu keinem Zeitpunkt war ich mir unsicher über die Streckenführung. Dazu kommen schon sehr früh im Rennen Kilometermarkierungen, die darüber Auskunft geben, wie weit es noch bis zur Finishline ist.

Streckenprofil und Verpflegungsposten
Streckenprofil und Verpflegungsposten **

 

Die ersten 30 km – Davos bis Filisur

Auf dem Weg nach Filisur*
Kirche bei Monstein*

Wie schon erwähnt zeichnet sich der K78 durch eine sehr hohe Dichte an Verpflegungsposten aus. Die einzelnen Posten habe ich für mich als Kilometermarken genutzt, um mich selbst zu pacen. Dafür habe ich mir im Vorfeld überlegt, wie schnell ich die jeweiligen Abschnitte laufen werde, abhängig von Geländetyp und Steigung (oder Gefälle). Insgesamt bin ich sehr konservativ an die Sache herangegangen und komme auf eine Zeit von 11:13 für die gesamte Strecke.

Mit diesem geplanten Tempo sollte ich nach etwa 3 Stunden und 13 Minuten in Filisur sein. Bereits am ersten Verpflegungsposten in Islen wird mir aber klar, dass ich dafür deutlich zu schnell bin. Ich lass mich zu sehr vom hohen Tempo der anderen Läufer mitreissen. Auf den 30 km bis Filisur ist das auch kein Problem. Die Strecke führt über Wege mit geringem technischen Anspruch, dazu meist mit leichtem Gefälle, hier kann man Gas geben. Die morgendliche Frische trägt ihr Übriges dazu bei, dass ich zunächst gar nicht realisiere, dass mein Tempo zu hoch ist.

Erst am Verpflegungsposten „Wiesen Station“ verstehe ich die Sache mit den Staffelläufern. Beim Durchlaufen wird eine Zwischenzeit genommen und ein Kommentator begrüsst die Läufer und erklärt den Zuschauern gerade die unterschiedlichen Startnummern. Da bekomme ich mit, dass es vierstellige Startnummern für die Staffelläufer hat und dass die es sind, die so gnadenlos das Tempo hochhalten.

Das Wiesenviadukt
Das Wiesenviadukt*

Immerhin weiss ich nun, warum ich das Wiesnviadukt nicht erst nach ca. 3:13 (wie geplant) sondern bereits nach 2:26 passiere, ich bin 45 Minuten schneller als geplant. Nach 2:54 durchlaufe ich Filisur, statt nach 3:48 und der Vorsprung auf meine geplante Zeit ist weiter angewachsen. Immerhin, ich fühle mich gut, die Beine laufen wie von selbst.

Filisur bis Bergün – Marathondistanz geschafft

Die nächsten 11 km Kilometer bis Bergün komplettieren ungefähr die Marathondistanz – vom Start aus habe ich dort etwa 42 km geschafft. Dieser Abschnitt gibt einen kleinen Vorgeschmack auf das was noch vor uns Läufern liegt: Steigung.

Wie im Streckenprofil zusehen, verläuft die Strecke bis Filsisur flach, bzw. leicht bergab. Bis Bergün liegt die erste richtige Steigung vor mir. Angesichts der Steigung auf die Höhen des Sertigpass, die danach folgen werden und der sicher nicht zu unterschätzenden Strecke bis zurück nach Davos, schalte ich einen Gang zurück. In Streda gönne ich mir einen etwas längeren Stopp am Verpflegungsposten und tanke richtig auf. Um insgesamt Kraft zu sammeln, gehe ich die ca. 2.5 km Steigung vor Bergün und lasse mir dafür eine halbe Stunde Zeit.

Die Zwischenetappe und damit die Marathondistanz bei Bergün erreiche ich nach ungefähr 4:15 und ich fühle mich locker und frisch für das Herzstück des K78 – die 17 Kilometer bis Sertigpass.

Der Anstieg bis Sertigpass

Aufstieg zum Sertigpass*
Aufstieg zum Sertigpass*

Das Herzstück des K78 besteht für mich aus den 17 Kilometern, die zum Sertigpass hinaufführen. Bis Punts d’Alps ist die Steigung noch einigermassen moderat, doch dann geht es richtig steil und in alpinem Gelände nach oben. Auf dem schönen Wanderweg bildet sich ein langer Treck von Läufern, die, mehr oder weniger zügig, zunächst die Keschhütte (2’625 m üNN) und dann den mit 2’739 m üNN höchsten Punkt des Events, Sertigpass anstreben.

Punts d’Alps erreiche ich nach einer Laufzeit von ca. 5:15. Geplant hatte ich 6:24 und damit bin ich meinem Zeitplan immer noch über eine Dreiviertel Stunde voraus. Beste Gelegenheit immer mal wieder stehenzubleiben und die sagenhafte Gegend in mich aufzunehmen. Andere Läufer sind nicht so glücklich. Die Steigung, die Höhenluft und die mittlerweile deutlich über 50 Kilometer Distanz setzen doch einigen zu und ich passiere immer mal wieder Teilnehmer, die blass am Weg sitzen oder offensichtlich Magenprobleme haben und sich am Wegesrand Erleichterung verschaffen.

Bald ist die Passhöhe geschafft*
Bald ist die Passhöhe geschafft*

Sertigpass bis ins Ziel in Davos

Kurz vor Verpflegungsposten Fertig Dörfli
Kurz vor Verpflegungsposten Sertig Dörfli

Nach etwa siebeneinhalb Stunden passiere ich den höchsten Punkt des Events und lasse damit Sertigpass hinter mir. In meiner Planung habe ich für diesen Punkt im Rennen fast 9 Stunden (genauer 8:54) vorgesehen. Trotzdem ich deutlich schneller als geplant durchgekommen bin, fühle ich mich immer noch gut. Die ersten Schritte ins Tal verlaufen gut und ich bin total erstaunt, dass ich nicht wie sonst schon (z. B. bei Swiss Alps Endurance Run) auf wackeligen Stelzen ins Tal eiern muss. Das Gegenteil ist der Fall und dort, wo das technische Terrain es erlaubt, überhole ich sogar andere Läufer, was mir sonst bei Bergabpassagen am Ende eines Rennens so gut wie noch nie passiert ist – ich sehe mich bergab eigentlich als einen ganz schwachen Läufer.

Statt nach geplanten 9:54 laufe ich nach 8:15 beim Verpflegungsposten in Sertig Dörfli durch die Zeitnahme. Natürlich ist mir zu dem Zeitpunkt bereits klar, dass sich das Hämmern spätestens am kommenden Tag rächen wird. Den Gedanken an Muskelkater und schwere Beine schiebe ich aber jetzt noch an die Seite. Noch trennen mich über 12 Kilometer vom erfolgreichen Zieldurchgang.

Und diese 12 Kilometer muss ich mir nun doch noch hart erarbeiten. Die Strecke führt zunächst oberhalb von Sertigbach, später von Landwasser über Feld- und Waldwege. Dem Streckenprofil sind an dieser Stelle keine besonderen Steigungen mehr zu entnehmen. Dennoch gibt es hier immer wieder kurze Gefällestücke, gefolgt von ebenso kurzen aber knackigen Anstiegen. Eigentlich nichts besonderes. Mit über 70 Kilometern und etwa 2’800 positiven Höhenmetern in den Beinen brauchts aber auch nicht viel, um mich aus dem Rhythmus zu bringen. Das macht für mich den Schluss des Rennens zur echten Kopfsache und ich muss mich mehr und mehr zwingen die häufiger werdenden Gehpausen kurz zu halten.

Und dann ist es endlich soweit. Nach dem letzten kurzen Gefälle in Davos überquere ich die Landwasser und nähere mich dem Lärm des Stadions mit dem Zielbereich. Dort werden die Läufer noch eine halbe Runde gegen den Uhrzeigersinn zum Zielbogen geführt, den ich nach 9 Stunden und knapp 35 Minuten erreiche. Geplant hatte ich etwas über 11 Stunden, mit denen ich ebenfalls zufrieden gewesen wäre.

Ziel in Davos*
Nach 09:34:46 im Ziel in Davos*

Mein Fazit

Der Swissalpine Marathon ist ein riesiger Event mit ca. 4’000 Teilnehmern über alle Kategorien und Strecken. Der Veranstalter schaffte es trotzdem die einzelnen Läufe geordnet durchzuführen, was sicher alles andere als ein leichtes Unterfangen ist. Der K78 ist für mich ein toller Event gewesen im Rahmen dieses Laufwochenendes in Davos und Umgebung.

Wer sich gut selbst pacen kann und sich nicht durch andere Läufer im Tempo beeinflussen lässt, kann hier bei einem perfekt organisierten Lauf einen wunderschönen Bergtrail genießen. Wer, wie z. B. ich, sich mitreissen lässt und das Tempo nach oben anpasst, hat gute Chancen einen sehr schnellen Bergtrail zu laufen. Letzteres birgt aber auch die Möglichkeit seine Fähigkeiten zu überreizen, wie ich es bei einigen im Anstieg auf Sertigpass gesehen habe.

 

*) Bilder von Alphafoto gemacht

**) Bilder von der Site des Veranstalters

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