Arosa Trailrun 2016

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Platz 8 beim Arosa Trailrun über 53 km

Am Samstag, den 10. September 2016 habe ich den AT46 beim Arosa Ultratrail mit dem 8. Platz in meiner Alterskategorie (von 15), bzw. Platz 31 in der Gesamtplatzierung (von 53), beendet.

Mit 9:49 konnte ich zwar meinen Ambitionen unter 8 Stunden zu bleiben nicht gerecht werden, kann aber sagen, dass ich an diesem Samstag sehr viel gelernt habe.

Arosa Trailrun 2016 – für mich eine sehr lehrreiche Aktion

Nach meinem ersten richtigen Ultraberglauf im Juli am Eiger (E51) bin ich sehr euphorisch nach Hause gekommen und habe mich noch am selben Wochenende für drei weitere Bergtrails in 2016 angemeldet. Einer davon ist der Trailrun in Arosa über eine Strecke von etwa 53 km und 3’400 Höhenmetern (warum der Veranstalter diesen Lauf als AT46 bezeichnet, konnte ich nicht herausfinden). Leider hat sich dann bald in der Woche nach dem E51 eine Plantar Fasciitis eingestellt, die eine adäquate Vorbereitung auf den AT46 unmöglich gemacht hat. Nichts desto trotz bin ich voller Elan gestartet und sollte an diesem Lauf einiges über Bergtrails und Ultradistanzen lernen.

Sehr schöne Strecke und ein anspruchsvolles Profil

at-karteStreckenübersicht des AT46
Streckenübersicht des AT46

 

Höhenprofil AT46
Höhenprofil AT46

Die lange Version des Arosa Trailrun (AT46) führt nach dem Start bei der Kunsteisbahn Ochsenbühl beim Sport- und Kongresszentrum in Arosa am Obersee vorbei aus dem Ort heraus und direkt in den etwa 8 km langen Anstieg zum Weisshorn. Das bedeutet von etwa 1’750 m auf 2’653 m.

Dort, auf dem Gipfel, werde ich ungefähr 1:15 h nach dem Start vom ersten Verpflegungsposten vor dem Gipfelrestaurant in Empfang genommen. Wir Läufer werden an diesem Morgen von einem wunderschönen Panorama und der wärmenden Spätsommersonne beglückt. Das nächste Ziel heisst Hörnli und wird über einen Abschnitt des Carmennapasses erreicht. Vom Weisshorn aus bedeutetet das absteigen auf etwa 2’270 m, um dann zur Hörnlihütte auf den zweiten Gipfel dieses Tages, mit knapp 2’500 m zu rennen. Auch hier zeigt sich ein tolles Panorama, als ich nach insgesamt 1:55 h und guten 11 km oben ankomme und die zweite Verpflegungsstation erreiche.

 

kurz vor dem Start um 07:30
Kurz vor dem Start um 07:30

Von hier aus führt der Weg nun über Berg- und Wirtschaftswege ca. 10 km zurück nach Arosa. Für die Teilnehmer am AT22 liegt am Ende dieser Passage das Ziel der etwa Halbmarathondistanz umfassenden Strecke, für die ich 2:55 benötigt habe, für die AT46-Teilnehmer ist es die dritte Verpflegungstelle. Auf der zweiten Schlaufe, mit etwa 30 km, sollen noch zwei weitere Gipfel und knackige Anstiege folgen. Zuvor muss man sich aber richtig orientieren …

Ungefähr Kilometer 20, kurz vor Arosa, mit Blick auf das Weisshorn
Ungefähr Kilometer 20, kurz vor Arosa, mit Blick auf das Weisshorn

Leider ist mir genau das am Ortsausgang von Arosa nicht gelungen und ich bin, wie einige andere ebenfalls, die die Strecke nicht kannten, falsch abgebogen. Nach etwa 1.5 km habe ich meinen Irrtum bemerkt, konnte noch einige Teilnehmer davor bewahren, den gleichen Fehler zu begehen und habe dann meinen Lauf auf dem richtigen Weg fortsetzen können. Damit erreiche ich dann den tiefsten Punkt des AT46, den Stausee Isel auf ungefähr 1’610 m.

Vom Stausee aus führt der AT46 zunächst über Wirtschaftswege durch den Bergwald, der dann bald von grauen, spärlich bewachsenen Berghängen abgelöst wird. Ich befinde mich auf dem Weg zur Maienfelder Furgga. Der Anstieg zur auf etwa 2’440 m gelegenen Schutzhütte ist wahrlich atemberaubend. Zum einen, weil es schlichtweg steil ist, zum anderen weil der Blick zurück das Panorama auf die bereits zurückgelegte Strecke mit Weisshorn und Hörnli preisgibt. Es ist ein sensationelles Gefühl zu wissen: „Da war ich vorhin, das bin ich heute schon gelaufen.“ Von der Schutzhütte, bei Kilometer 31 geht es dann weiter hinauf auf zum Tiejer Fürggli und dem mit 2’638 m höchsten Punkt des AT46 (wenn ich meiner GPS-Uhr glauben darf). Es folgt ein kurzer, steiler Abstieg, vorbei an bizarren Steingärten und einer einzigartigen Berglandschaft bis auf 2’370 m hinunter, um dann wieder zur Chörbschhornhütte auf 2’575 anzusteigen. Klingt nicht viel, kann aber zwischen Kilometer 30 und 35 ganz schön in die Oberschenkel fahren. Und die Chörbschhornhütte ist zwar der Verpflegungsposten, nicht aber der vierte Gipfel. Das ist das Chörbschhorn selbst, zwar nur 0.5 km weiter, dafür aber auch mit 2’651 m nochmal 75 Höhenmeter weiter oben, was einer 15%igen Steigung entspricht. Oben angekommen, werde ich von einer einladenden Holzbank und einem atemberaubendem Rundblick in die Bündner Alpen erwartet.

Ein Steingarten am Wegesrand
Ein Steingarten am Wegesrand

Total habe ich bis hierher 6:15 h benötigt, also 3:20 h für die Strecke von Kilometer 22 bis 36. Steigung und Gefälle fordern halt doch ihren Tribut. Das merke ich ganz deutlich, als ich meine angenehme Position auf der Bank mit dem schönen Panorama aufgebe und mich in Richtung Strelapass aufmache. Tatsächlich ist es so, dass ich von hier ab wandere. Meine Beine und Füsse verweigern jeden Versuch eines gesteigerten Tempos. Deshalb habe ich auch für die nächsten 4 km bis zum Meldepunkt am Strelapass etwa eine Stunde benötigt. Dort angekommen frage ich den Verantwortlichen, wie lang ich wohl noch bis zum nächsten Verpflegungsposten brauche. Seine Antwort war in Teilen ermutigend: „Etwa 30 Minuten und nur noch bergab.“ Hurra, meine Zehen schreien Mordio, weil ich offensichtlich beim bergabgehen immer im Schuh vorn anstosse. Tatsächlich geht es über die folgenden 3 Kilometer mehr als 500 Meter bergab, im Schnitt also etwa 17% Gefälle in anspruchsvoll technischem Gelände, für die ich ca. 50 Minuten brauche.

Blick vom Chörbschhorn zurück
Blick vom Chörbschhorn zurück (inkl. Bank)

Als ich dann an der vorletzten Verpflegungsstation Jatz/Sapun ankomme, werde ich von freundliche Bündnern in Empfang genommen und nach den 22 Kilometern seit dem Durchlauf in Arosa an der ersten vollwertigen Verpflegungsstation wieder richtig versorgt. Balsam für die Seele, die durstige Kehle und alles andere. Eigentlich will ich gar nicht mehr weg.

Es sind nur noch 11 km und ich mache mich mit einer kleinen Gruppe Läufer, die mich eingeholt haben auf nach Arosa. Es ist ganz angenehm, sich mit anderen auszutauschen und zu sehen, dass es auch anderen nicht unbedingt besser geht als mir. Besonders, da von hier aus die letzte Steigung vor dem Ziel in Angriff genommen wird und ich mich durch meine Pause etwas erholter fühle, kann ich nochmal Gas geben. Die Steigung tut mir gut, meine, durch das bergab gehen geschundenen Zehen werden geschont. Als weitere Motivation verdunkelt sich der Himmel und ein zunehmendes Grollen verspricht ein Gewitter, das ich nur ungern vor der Zielankunft in Arosa erleben möchte. Mit der moralischen Unterstützung der anderen Läufer schaffe ich es dann tatsächlich vor der 10-Stundenmarke ins Ziel.

AT46 2016 – lehrreiche Lektionen

Wie oben angedeutet habe ich bei diesem Bergtrail einiges gelernt, über mich, über Berg-/Ultratrails und über das Laufen im Allgemeinen.

  1. Ein Bergtrail im Ultraformat fordert die ganze Aufmerksamkeit – besonders auch in der Vorbereitung. Das betrifft ganz konkret das Training, das so spezifisch wie möglich sein sollte. Spezifisch bedeutet hier, dass das Training eine Vorbereitung auf das sein muss, was einen am Tag des Laufs zwischen Start und Ziel erwartet. In diesem Fall eben das Laufen an Steigungen und Gefällen. Auf Grund meiner Verletzung Ende Juli habe ich diesen Punkt nur ungenügend beachten können – entsprechend habe ich gelitten.
  2. Daraus resultiert dann auch die zweite Lektion: Nicht vollständig auskurierte Verletzungen fordern ihren Tribut. Man kann sie ignorieren, muss aber damit rechen, dass sich das negativ bemerkbar machen wird.
  3. Aus den beiden ersten Lektionen folgt dann die dritte: Schmerzen machen einen vielleicht langsamer, vielleicht so sehr, dass man gehen muss statt zu rennen – ein nahendes Gewitter in den Bergen ist jedoch ein starker Motivator. Auch wenns schmerzt und nicht gerade das ist, was der Onkel Doktor verschreiben würde, man kann Schmerzen zumindest in Teilen ignorieren.
  4. Nur Ultratrails vergleichen, die man kennt (hier E51 und AT46). Jeder Trail ist ein Individuum, das sich in vielen Parametern (Höhenmeter, Steigung, Anzahl Verpflegungsposten, Länge, etc.) von anderen unterscheidet. Diese Parameter kreieren jeweils ihre ganz eigene Symphonie an Herausforderungen.
  5. In der Vorbereitung hilft es alle Informationen zu nutzen und sich einzuprägen. Vielleicht hätte ich es so verhindern können, dass ich mich verlaufe. Ernst nehmen sollte man Hinweise, wie die, die beim AT46 auf der Karte bei den Verpflegungsstationen bzw. im Verpflegungsplan vermerkt sind. Sowohl bei der Maienfelder Furgga, als auch bei der Chörbschhornhütte ist aus logistischen Gründen nur eine minimal Verpflegung möglich, am Strelapass ist gar nur eine Meldestation eingerichtet. Damit ist die Strecke nach dem Zieldurchlauf in Arosa bis Jatz/Sapun (immerhin 22 Kilometer mit 1’500 Höhenmetern) eher spärlich ausgestattet und dessen muss man sich vorher bewusst sein. Autonomie ist hier Pflichtprogramm.

Mein zweiter Trailrun mit Ultradistanz ist geschafft

Nach dem E51 habe ich mit dem AT46 meinen zweiten echten Ultra geschafft. Allen Nachteilen, wie z. B. Verletzung im Vorfeld, schlechter Vorbereitung und Verlaufen zum Trotz konnte ich mich im Mittelfeld behaupten. Ja ich habe bei diesem Lauf gelitten, wie ich noch nie gelitten habe. Aber das Gefühl, den Zieldurchlauf geschafft zu haben, ist einmalig – gerade wenn es so schwierig war.

Arosa und ich werden uns hoffentlich wieder begegnen. Und dann bleibe ich unter den 8 Stunden 😉

Zielbier
Zielbier

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