Alles in moderaten Mengen und doch nicht gut ernährt

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In moderaten Mengen gegen das schlechte Gewissen

Bei Diskussionen um die Ernährung im Kollegenkreis oder mit Bekannten höre ich oft, dass alles, in moderaten Mengen gegessen, ja kein Problem sei. Ab und zu von diesem und ab und zu von jenem führt zu einer entsprechenden Diversität in der Ernährung und das könne ja nicht schlecht sein. Mich beschleicht dabei immer das Gefühl, die Menschen, die so reden, wissen gar nicht welche Mengen denn tatsächlich als „moderat“ eingestuft werden können und reden sich so ihr Gewissen rein. Denn wenn man nachfragt, ist den meisten schon klar, dass z. B. Fastfood und Alkohol nicht gesund sind. „Ein Bier und ein Burger schaden doch nicht.“ heisst es dann dennoch. „Esse alles in moderaten Mengen“ ist damit zwar ein gut gemeinter Gesundheitsratschlag, wird aber zum Seelenpflaster fürs schlechte Gewissen.

Was bedeutet eigentlich „alles in moderaten Mengen“ zu essen? Und wohin führt das gesundheitlich? Diese und weitere Fragen bewegen das Autorenteam des Artikels Everything in Moderation – Dietary Diversity and Quality, Central Obesity and Risk of Diabetes, erschienen 2015 in Public Library of Science ONE, den ich im Folgenden zusammenfasse.

Alles in moderaten Mengen wird mit qualitativ hochwertiger Nahrungsdiversität gleichgesetzt

In weiten Teilen der Bevölkerung bedeutet alles in moderaten Mengen zu konsumieren eine qualitativ hochwertige Nahrungsdiversität (viele verschiedene Nahrungsmittel). Die Qualität, so die Annahme, spiegelt sich in der adäquaten Aufnahme aller wichtigen Nährstoffe wieder. Interessanterweise stellen die Autoren jedoch fest, dass Nahrungsdiversität nirgends klar definiert wurde und damit gar nicht messbar ist. Entsprechend wenig kann über den Einfluss auf die Gesundheit ausgesagt werden.

Um diesen Zusammenhang zu klären, wurden zwischen den Jahren von 2000 bis 2007 über 5’000 Personen im Alter von 45 bis 84 Jahren untersucht. Die Studie hat Diversität und Qualität der Nahrung und die Veränderung des Gesundheitszustands der Studienteilnehmer erfasst. Dabei wurde die Diversität der Nahrung in Form von Anzahl verschiedener Nahrungsmittel, Verteilung der Nahrungsmittelaufnahme und Unähnlichkeit der Nahrungsmittel erhoben. Die Qualität wurde entsprechend wissenschaftlich anerkannter Zusammenhänge von Nahrungsmitteln mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes bewertet. Für die Bewertung des Gesundheitszustandes wurden Gewicht, der Bauchumfang als Mass für Fettleibigkeit und die Entwicklung von Typ-2-Diabetes herangezogen.

In der vergleichenden Auswertung dieser Parameter wurden dann die Zusammenhänge zwischen Diversität, Qualität und Gesundheitszustand herausgearbeitet.

Wer alles in moderaten Mengen isst, isst nicht unbedingt auch qualitativ gut

Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist, dass Diversität von Nahrungsmitteln nicht mit der Qualität einer Ernährung gleichgesetzt werden kann.

Die Auswertung der Anzahl verschiedener Nahrungsmittel zeigt, mit der Diversität steigt auch der Konsum ungesunder Nahrungsmittel, wie z. B. Süssigkeiten, Süssgetränke, allerlei Snacks, Kekse, Kuchen und Torten. Damit ist es wenig verwunderlich, dass ebenfalls mit der Nahrungsdiversität der Bauchumfang steigt. Die Autoren ziehen den Schluss, dass eine erhöhte Nahrungsdiversität mit ungesundem Essverhalten verknüpft ist und damit zu einem erhöhten Risiko von Übergewicht und Fettleibigkeit führt.

Gesundheitliche Auswirkungen hängen von der Qualität der Ernährung ab, nicht von der Diversität

Unabhängig von der Diversität konnte die Studie einen Zusammenhang zwischen der Qualität der Ernährung und der Entstehung von Typ-2-Diabetes feststellen. Ein metabolisches Gesundheitsrisiko hängt direkt an der Qualität und somit nur indirekt mit der Diversität der Ernährung zusammen.

Wer sich gesünder (qualitativ hochwertiger) ernährt, hat ein geringeres Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Mein Fazit

Wer nach dem Motto „alles in moderaten Mengen“ isst, ernährt sich nicht unbedingt gesund. Insbesondere Fastfood, hochverarbeitete Nahrungsmittel und die ganze Bandbreite an gesüssten Getränken bleiben auch in moderaten Mengen einfach nur schädlich. Eine bewusst gewählte Ernährungsform, die auf bekannte Krankmacher verzichtet und dadurch die Qualität der Ernährung verbessert, ist allemal gesünder.

Ob das Motto „alles in moderaten Mengen“ tatsächlich ein Pflaster auf dem schlechten Gewissen, oder einfach nur Unwissenheit ist, sei dahingestellt. Wenn ich Schokolade esse, dann weiss ich, dass sie nicht gesund ist, da brauch ich mir nichts vorzumachen. Gleiches gilt für übermässig Fettes, verarbeitete Fleisch- und Wurstwaren, zu Salziges und und und.

Meine Wahl bleibt daher eine pflanzenbasierte Ernährung ohne tierische Produkte. Das kann zwar als einseitig betrachtet werden, ist aber gesund. Und wenn man richtig kochen kann, dann schmeckt es mindestens genauso gut.

 

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