HELVETICMAN 2018 – Erstaustragung

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HELVETICMAN – Mid Extrem Triathlon

„Erlebe die Wunder der Schweiz in der ersten Austragung“, sagt der Organisator des HELVETICMAN Triathlon Mid Xtreme. Die Herausforderung oder das Besondere an diesem Event: nach den klassischen 1’900 m Schwimmen geht es auf einen 86 km langen Radkurs, der mit 3’120 Höhenmetern gespickt ist. Der Wechsel auf die Laufstrecke erfolgt dann entsprechend bei der Bergstation von Melchsee-Frutt, von wo aus es auf die 24 km lange Laufstrecke geht, die ihrerseits mit 960 Höhenmetern glänzt. Laut Veranstalter ist der Lauf einer „der höchstgelegenen in einem Triathlon weltweit“

Dieser Triathlon ist ein weiteres besonderes Abenteuer und ich bin froh kurzfristig davon erfahren zu haben und Anfang Juli teilnehmen zu können. Nach meiner ersten Halbdistanz in Rapperswil im Juni ist das doch genau die Herausforderung, die mich auf die Strapazen drei Wochen später beim IRONMAN in Zürich am 29. Juli vorbereiten sollte.

Racebriefing in Stansstad

Sehr angenehm finde ich, dass das Event an einem Samstag stattfindet. Somit bleibt der Sonntag für die Erholung. Doch zuerst geht es am Freitag von Muttenz nach Stansstad. Der Bulli ist schnell gepackt, das Rad aufgeladen und ab geht’s. In Stansstad ist der Ort für die Registrierung und das Briefing ist auch gleich gefunden, der Parkplatz ist allerdings noch nahezu leer. Meine erste Befürchtung, ich hätte mich im Datum vertan, ist schnell ausgeräumt. Ich bin einfach zu früh und, wie ich bald feststellen sollte, voll wird es nicht werden. Das Prozedere für die Registrierung ist entsprechend zügig durchlaufen. Beim Briefing am frühen Abend dann die Fragen vom Organisator Peter Ackermann, die mir auch schon durch den Kopf gegangen sind: Wer nimmt an so einem Event teil? Wieviel Teilnehmer kommen zu so einer Erstaustragung – Zumindest die letzte Frage ist schnell beantwortet: Es sind 28 Einzelstarter und 5 Teams.

Das Streckenprofil (Blau = Schwimmen, Rot = Rad, Grün = Laufen)*
Das Streckenprofil (Blau = Schwimmen, Rot = Rad, Grün = Laufen)*

Unabhängig von der Anzahl Teilnehmer wird beim Briefing intensiv auf die Besonderheiten der Strecke eingegangen, wo die Verpflegungsposten liegen, womit in Punkto Strassenbeschaffenheit zu rechnen ist (beim Rad) und was beim abschliessenden Trailrun zu beachten ist. Natürlich ist auch das Streckenprofil ein wichtiges Thema. Ich freue mich besonderes auf die Radstrecke, die ich mit Dirty Harry, meinem Gravel Bike, bestreiten möchte. Mein Rennrad ist bereits fix und fertig für den IRONMAN Switzerland und wird davor nicht mehr angefasst.

Schwimmstart am Strandbad Stansstad

Der Vierwaldstättersee kurz vor dem Start
Der Vierwaldstättersee kurz vor dem Start*

Gegen 07:00 bin ich am Samstagmorgen beim Strandbad und das ganze Einchecken läuft sehr unkompliziert hab. Bei der Teilnehmerzahl sollte das auch nicht anders sein. Das Rad ist fix auf dem Halter verstaut und Starnummer, Helm, Schuhe, Handschuhe und Brille vorbereitet. Riegel, Gel und Trinkflasche sind ebenfalls parat. Für den Trail Run gebe ich neben den Schuhen ein komplettes Set frischer Laufkleider und meinen Trailrucksack mit der obligatorischen Ausrüstung ab. Dann zwänge ich mich in meinen Neoprenanzug und mache zum Einschwimmen ein paar Züge im lauwarmen Vierwaldstättersee.

Ready to go
Ready to go*

Kurz vor dem offiziellen Start um 07:30 versammeln wir uns alle um den Organisator, der uns letzte Anweisungen für die Schwimmstrecke gibt. Erwähnenswert ist an dieser Stelle vielleicht noch, dass die Zeitmessung per Hand erfolgt. Keine Transpondermatten oder Chips, ja auch das geht.

Ob im Zusammenhang mit dem übersichtlichen Teilnehmerfeld der Begriff Massenstart richtig ist, sei mal dahingestellt. Jedenfalls ertönt der Count-Down, dann das Startsignal und die 33 Starter stürzen sich in den See und machen sich auf den 1’900 m langen Rechteckkurs. Alles in allem ein eher unspektakuläres Schwimmen und nach 0:32:02 bin ich aus dem Wasser. Vergleichbar mit meiner Zeit in Rapperswil (0:32:14), was mich freut, zeigt es mir doch, dass ich eine ziemlich konstante Schwimmleistung von mir erwarten kann – das ist wichtig für meinen Kopf im Vorfeld des IRONMAN.

Die Radstrecke

Dirty Harry ready for racing
Dirty Harry ready for racing

Ich bin nicht beim HELVETICMAN angetreten um Zeiten zu jagen oder der Konkurrenz davon zufahren. Entsprechend gemächlich vollziehe ich den Wechsel. Überhaupt wird es jetzt zwar spannend, meine Zeit, das ist mir sonnenklar, sollte aber absolut sekundär sein. Im Vordergrund steht für mich der Spass an diesem Abenteuer und das Sammeln von Erfahrung im Radsattel. Die Anzahl langer Runden in meinem Trainingstagebuch ist überschaubar.

Meine Erwartung war, dass ich bei dem Teilnehmerfeld über lange Strecken alleine fahren werde. Um so überraschter war ich, dass ich nach wenigen Minuten auf dem Rad zu einer Fahrerin aufschliessen konnte, was ich schon bald an der nächsten Abzweigung für mich gelohnt hat: wäre sie nicht gewesen, wäre ich geradeaus weitergefahren und das wäre falsch gewesen. Keine Ahnung, wie der HELVETIVMAN dann für mich ausgegangen wäre …

Die Radstrecke*
Die Radstrecke*

Entsprechend gerne bin ich dann einen Grossteil der Strecke mit ihr zusammengefahren, zumindest, solang es meine Kondition erlaubt hat. Und meine Kondition stand hier gewaltig auf dem Prüfstein.

Die Radstrecke führt zunächst von Stansstad in Richtung Kerns und dann weiter am Sarnersee entlang. Dann folgt mit dem Glaubenbergpass der erste (und einfachste) Test. Bis Kilometer 30 ist diese Steigung abgehakt und es geht zurück nach Kerns. Wer bis jetzt noch nicht auf Betriebstemperatur ist, dem wird auf der folgenden Steigung bis ca. Kilometer 50 warm. Die als Panoramloop beschriebene Strecke hat es in sich und der über 10 Kilometer lange Anstieg zehrt meine Kräfte auf. Die Strecke zurück nach Kerns kann man zwar rollen, eine wirkliche Erholung ist dieser Abschnitt aber nicht. Die kurvenreiche Abfahrt und mit Rollsplitt belegte Abschnitte fordern alle Konzentration – vor diesem Abschnitt wurden wir explizit gewarnt.

Zurück in Kerns muss ich dann auch meine Begleitung ziehen lassen. Aber, wenn ich heute noch einen Trailrun machen möchte, dann muss ich den dritten und letzten Abschnitt der Radstrecke mit Bedacht fahren. Hier geht es nun von Kerns durch das Melchtal nach Stöckalp. Dort an der Talstation der Gondelbahn steht der zweite Verpflegungsposten auf der Radstrecke und dort angekommen nutze ich die Gelegenheit zu einer kurzen Pause und Stärkung. Und dann kommt der Hammer. Der Schlussanstieg von ca. 8 Kilometern zur Bergstation nach Melchsee-Frutt.

Man könnte ja auch die Gondel nehmen …

Die letzten Meter sind für mich die Hölle. dreimal steige ich ab, schiebe ca. 200 m um dann weitere 800 m zu strampeln. So schaffe ich die letzten 3 Kilometer und erreiche tatsächlich die Bergstation nach 05:08:01. Und nun soll ich noch Laufen?

Mit letzter Kraft: Ankunft Melchsee-Frutt*
Mit letzter Kraft: Ankunft Melchsee-Frutt*

Der Abschluss: Trailrun

Nach der Strapaze auf dem Rad bin ich sehr froh, eine kurze Pause einlegen zu können und mich umzuziehen. Wie geplant wechsle ich vom durchgeschwitzten Triathlon-Einteiler in trockene Laufkleider und stärke mich am Verpflegungsposten, bevor ich den Laufrucksack anlege und mich auf die etwa 24 Kilometer lange Strecke mache.

Die Laufstrecke*
Die Laufstrecke*

Auch wenn es mir zunächst schwerfällt so richtig ins Laufen zu finden, ich fühl mich in meinen Laufschuhen deutlich wohler, als noch vor 10 Minuten in den Radschuhen. Langsam trabe ich los, um den Melchsee herum in Richtung Jochpass. Bis Zum Tannensee führt die Strecke über wenig technisches Terrain, hat nur wenig Steigung und erlaubt mir daher mich langsam zu erholen und einen gleichmässigen Rhythmus zu finden.

Mit schweren Beinen auf die Laufstrecke*
Mit schweren Beinen auf die Laufstrecke*

Die anfängliche Schwere in den Beinen verfliegt und es gelingt mir einigermassen zügig den Verpflegungsposten Tannalp zu erreichen. Von hieraus wird die Route technischer und der Anstieg zum Jochpass macht sich stetig bemerkbar. Leider steigt irgendwann auf diesem Stück meine GPS-Uhr aus. Die Batterie ist leer. Von jetzt an habe ich keine Information mehr zu meiner Geschwindigkeit, Herzfrequenz oder Position. Das ist zwar nicht weiters schlimm, kommt aber dennoch überraschend.

Auf der gesamten Strecke sehe ich keinen der anderen Teilnehmer mehr. Erst als ich vom Jochpass zurück bei der Tannalp bin, treffe ich auf andere.

Von nun an laufe ich ganz entspannt in Richtung Finish, das ich nach eigener Zielsetzung um 17:00 oder nach maximal 09:30:00 erreichen möchte. Diesem Ziel steht zu diesem Zeitpunkt nichts mehr im Weg, es sieht nach einer Punktlandung aus. Nach 03:40:52 für den Trailrun bin ich wieder zurück in Melchsee-Frutt. Der Lauf ist anstrengend, ging aber schnell und besser für mich vorüber, als ich das nach dem zähen anstieg mit dem Rad erwartet habe.

Finish

Nach 09:27:10 bin ich im Ziel und damit einer der ersten Finisher des HELVETICMAN. Mit der Zeit erreiche ich Platz16 in der Gesamtwertung, bzw. Platz 5 in der Altersklasse. Freudig erhalte ich von der Mitorganisatorin Dianna die von ihr selbst handgefertigte Finishermedallie.

Nach einer warmen Dusche und einer Stärkung geht es zurück nach Stansstad, wo der Bulli auf mich wartet. Zum Glück hab ich es nicht weit nach Hause, lang möchte ich nach so einem Tag nicht Auto fahren müssen.

Fazit

Der HELVETICMAN ist ein familiärer Event, der mit viel Liebe und Herzblut von den beiden Organisatoren aus der Taufe gehoben wurde, was nicht zu letzt in der einzigartigen Finishermedallie zum Ausdruck kommt.

Die Idee eines Mid Extrem Triathlons finde ich prima und das Format hat mir super gefallen. Soweit ich weiss und im Nachgang erfahren habe, wird die Strecke beim Rad ein paar Anpassungen erfahren, ohne dabei an Steigung einzubüssen (der mit Slow gekennzeichnete Abschnitt im zweiten Loop wird ersetzt). Wahrscheinlich ist das besser so, wenn mal mehr Teilnehmer auf der Strecke sind.

Ich werde in 2019 gerne auch bei der zweiten Austragung dabei sein. Dann aber sehr wahrscheinlich nicht mit dem Gravel Bike, sondern mit meinem normalen Strassenrennrad.

 

* Bilder von der Website des Veranstalters

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